Daniel is different

Daniel is different

27. März 2017 16 Von Petrissa
Autor: Wesley King
Übersetzerin: Claudia Max
Verlag: magellan
Seiten: 304
Alter: 12-15

Daniel ist 13 Jahre und leidet unter einer Zwangsstörung. Er weiß nicht, dass das ganze einen Namen hat und er redet auch mit niemandem darüber, weil er Angst hat, dass dann alle sehen, wie verrückt er ist. Sein Leben ist wirklich eine Qual. Er braucht mind. 2 Stunden jeden Abend, bis er sein “Programm” beendet hat und ins Bett gehen kann. So und so viele Schritte vom Kinderzimmer ins Bad, so und so oft die Hände waschen usw.. Verzählt er sich, muss er wieder von vorne beginnen. Auch tagsüber hat er “Zaps”, wie er es nennt, wenn er den Zwang hat, etwas zu tun. Einher gehen diese Zaps mit schrecklichen Gefühlen und qualvollen Gedanken. 
Mit Schreiben kann Daniel sich beruhigen und er schreibt ein Buch, 
das im Buch zu lesen ist. 
Er spielt notgedrungen Football, ist verliebt und froh, dass sein bester Freund Max ihn in alles mit einbezieht. Sonst wäre er wohl ein Außenseiter wie Psycho-Sara.
Als ihn eines Tages Psycho-Sara anspricht, kommt Bewegung in sein Leben. 
Sara braucht Daniels Hilfe und hilft im Gegenzug ihm.  
Ich wollte das Buch lesen, um diese Krankheit besser zu verstehen. Ich kenne Leute, die daran leiden und mir war bisher einfach nicht klar, was im inneren einer Person vorgeht, dass sie eine Zwangshandlung ausführen muss. Ich selbst bin eher chaotisch veranlagt, daher war mir das sehr fremd.
Und das hat das Buch auf jeden Fall geschafft. Ich habe es nicht nur verstanden, sondern konnte mich da richtig gut reinversetzen. War zum Teil auch wirklich tief betroffen, weil so ein Leben der Horror sein muss. Die Gedanken gehen bis dahin, dass er stirbt, wenn er die Zwangshandlung nicht ausführt. Also er lebt mehr oder weniger ständig in Todesangst.

In dem Buch, welches Daniel schreibt, verarbeitet er seine Situation. Daher war dieser Teil der Geschichte für mich sehr passend und auch wichtig für das Verständnis der Erkrankung.

Ein bisschen genervt haben mich die vielen Football-Erzählungen. Dieser Handlungstrang war zwar für seine Entwicklung wichtig, aber man hätte es doch etwas mehr straffen können.

Was mir auch nicht so gut gefallen hat, war der eingebaute “Kriminalfall”, in den Sara Daniel verwickelt. Dieser war von der Glaubhaftigkeit und dem Niveau doch eher für 8-10-jährige. Ich vermute, dass der Autor da nach einem Grund gesucht hat, wie Sara und Daniel ins Gespräch kommen können. Die Geschichte zwischen Sara und Daniel selbst war sehr schön und wichtig und es hätte in meinen Augen nicht so einen aufgesetzten “Kriminalfall” gebraucht.

Ein Kritikpunkt geht vermutlich an die Übersetzerin.
In dem Buch werden begabte und “besondere” (psychisch kranke) Kinder als Sternenkinder bezeichnet.  In Deutschland und Österreich steht die Bezeichnung Sternenkind allerdings für Babys, die vor oder kurz nach der Geburt verstorben sind.
Daher finde ich die Wortwahl sehr ungünstig.

Das Ende hat mir sehr gut gefallen.

Ein sehr wichtiges Buch, mit ein paar Schwächen, über die man hinweg sehen kann, in Anbetracht des Informationsgewinns.
Von mir gibt es 4 ♥ ♥ ♥ ♥.

Zwangsgedanken

Zwangsgedanken sind inhaltliche Denkstörungen im Sinne sich zwanghaft immer wieder aufdrängender, jedoch als unsinnig erkannter Denkinhalte.
Zwangsgedanken kann man einteilen in:

Zwangsideen und -befürchtungen (z. B. die Befürchtung, eine
Arbeit nicht richtig gemacht zu haben, oder Ängste, dass dem Ehepartner
etwas Schlimmes zustoßen könnte)
Aggressive Zwangsgedanken (Befürchtungen, jemandem Schaden zuzufügen, sexuell verwerfliche Dinge zu tun, jemanden zu beleidigen etc.)
Grübelzwang (bestimmte Themen müssen wieder und wieder
durchdacht werden. Es ist nicht möglich, dabei zu einer Entscheidung
oder zu einer Lösung zu kommen)
Zweifel (Unsicherheit, Handlungen nicht zufriedenstellend abgeschlossen, etwas falsch verstanden, getan oder unterlassen zu haben)
Zählzwang (Arithmomanie) (bestimmte Dinge, die im Alltag auftauchen, werden gezählt)
Wiederholungen (bestimmte Gedanken müssen ritualisiert wiederholt werden)

Bei Zwangsgedanken geht es also häufig um angstvolle Gedanken und
Überzeugungen, sich selbst oder einer anderen Person zu schaden (z. B.
durch Verunreinigung, durch aggressive Handlungen oder durch sogenannte
„magische Handlungen“), in eine peinliche Situation zu geraten, oder durch Unterlassen von
Handlungen indirekt bzw. durch eigene Handlungen direkt für ein
Unheil/Unglück verantwortlich zu sein.

Zwangshandlungen

Beispiele:

Reinlichkeitszwang: der Zwang, sich z. B. dauernd die Hände zu waschen
Kontrollzwang: ständige Überprüfung von Herdplatten, Türschlössern, Gashähnen, Aschenbechern, wichtigen Papieren etc.
Ordnungszwang: der Zwang, immer Symmetrie, perfekte Ordnung
oder ein Gleichgewicht herzustellen, indem Dinge wie Bücher, Kleidung
oder Nahrungsmittel nach genauen Regeln präzise angeordnet werden
Berührzwang: der Zwang, bestimmte Dinge anzufassen oder gerade nicht anzufassen, etwa jede Straßenlaterne zu berühren
verbale Zwänge: Ausdrücke, Sätze oder Melodien werden ständig wiederholt

 (Quelle: wikipedia)


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Es gibt keinen Grund, sich zu schämen.
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