Der Selbstheilungscode |Prof. Dr. Tobias Esch

Der Selbstheilungscode |Prof. Dr. Tobias Esch

17. April 2019 2 Von Petrissa

Zu viel Stress tut uns nicht gut, das wissen wir alle. Aber was genau bewirkt Stress im Körper? Und warum fällt es uns so schwer, obwohl wir es wissen und spüren, etwas dagegen zu tun? Beziehungsweise, warum fällt es uns so schwer, etwas für uns zu tun?


Tobias Esch erklärt sehr verständlich, wie sich Stress auf den Körper und das Gehirn auswirkt und er zeigt Wege auf, wie wir dies ändern können. Wenn Ihr jetzt denkt: Ach, so Bücher gibt es doch schon hundertfach, kann ich Euch sagen: Nein, das hier unterscheidet sich grundlegend von allen „Stress- und Achtsamkeitsbüchern“, die ich gelesen habe. Denn Esch erklärt es wirklich neurobiologisch fundiert, ohne dabei viel Fachwissen voraus zu setzen.


Mich hat das Buch schwer beeindruckt und es ist voll geklebt mit Post-its. Irgendwann bin ich sogar dazu übergegangen, mir Textstellen direkt mit Bleistift anzustreichen, was ich schon seit Jahre nicht mehr gemacht habe.

Prof. Tobias Esch

Er nennt viele Beispiele, wie sich Stress auswirken kann.

So wirkt sich chronischer Stress für Herzerkrankte schlimmer aus als Rauchen.

„Die Realität ist keine zwingende Voraussetzung für Stress.“

Denkt mal einen Moment an eine wirklich stressige Situation. An den cholerischen Chef, die schreckliche Vermieterin oder Nachbarin, an Euren Ex. Fühlt in Euch rein, bevor Ihr weiter lest. Denkt an die letzte Auseinandersetzung mit der Person. Was fühlt Ihr?

 

Wenn Ihr Euch auf das Experiment eingelassen habt, wird Euer Puls und der Blutdruck in die Höhe geschossen sein. Denn der Gedanke an wirklich stressige Situationen reicht schon aus, um den Körper in einen Flucht- oder Angriffsmodus zu versetzen. Das Gehirn kennt keinen Unterschied zwischen Realität und Vorstellung.

Alle Wege führen zum Gehirn

Die sofortige Stressantwort war evolutionär wichtig für das Überleben.

Doch das ist nicht nur negativ. Es bedeutet, dass wir mit den entsprechend positiven Bildern auch eine Entspannung herbei führen können.

 

Esch erklärt wie und warum das vegetative Nervensystem hier eine Rolle spielt und wie die Zusammenhänge mit den Hirnregionen, dem Hypothalamus, funktionieren. Dieses Kapitel ist nicht ganz so leicht zu lesen und ich musste etwas in meinem alten Schulwissen kramen.

Für Leute, die sich damit noch nie beschäftigt haben, auf die könnte das Kapitel etwas unverständlich wirken.

 

Ich selbst fand diese Erklärungen besonders beeindruckend.

„Stehen wir ständig unter Stress, degeneriert der Hippocampus – unsere Merk- und Lernfähigkeit nimmt ab. Unter Stress sollen (und wollen) wir uns nichts Neues merken oder lernen, nicht kreativ sein und zeitraubende nach neuen Ideen und Lösungen forschen, sondern wir greifen auf Bekanntes, schnell Verfügbares und bereits Erlerntes zurück.“

Open your mind

Wir erfahren die Anfänge der Mind-Body-Medizin und von der Forschung, die diese mit Beweisen untermauerte. Obwohl diese Forschung nun schon über 50 Jahre her ist, spielt es in der Medizin und in unserem Alltag doch immer noch kaum eine Rolle.

Er beschreibt verschiedene Motivations- und Stresstypen aus neurobiologischer Sicht.

 

Sehr eindrücklich zeigt er auf, wie negative und positive Emotionen unser Gehirn beeinflussen. Was wir selber verändern können und was nicht.

Ich habe schon viel über Achtsamkeit gelesen, aber seine Art zu erklären, was Achtsamkeit ist und was sie bewirkt, hat mich besonders bewegt und abgeholt.

Prof. Tobias Esch

"Achtsamkeit ist in sich ruhende Wachheit."

Das Ziel der Mind-Body-Medizin ist es, ein kompetenter Patient zu werden und selbstfürsorglich mitzuentscheiden.

Sie steht auf vier Säulen, die BERN abgekürzt werden.

  • stressreduziertes Verhalten (Behavior),

  • ausreichend Bewegung (Exercice),

  • regelmäßige innere Einkehr und Entspannung (Relaxtion) und

  • achtsamer Genuss und gesunde Ernährung (Nutrition).

Ich sehe Euch innerlich aufstöhnen. Das ist ja mit Arbeit verbunden!

Ja, das ist es. Das sagt Esch auch. „Damit Verhaltensweisen Teil unseres Lebenstils werden, müssen wir sie auch tun.“


Zu jedem der vier Säulen zeigt er sehr konkrete Handlungsmöglichkeiten auf, die zum Teil erfrischend anders sind, als was man sonst so liest. Und immer zieht er den Bezug zur Neurobiologie.

Dabei schreibt er nicht von oben herab „Du musst das und das tun, sonst bist du selber schuld, wenn es dir schlecht geht.“ Sondern er gibt zu, dass das alles nicht leicht ist und erklärt, neurobiologisch, auch warum.


Noch ein Wort zum Cover: Ich finde das Cover und den Titel sehr irreführend. Für mich sieht es wie ein billiger Ratgeber aus, die es hundertfach gibt. Würde da nicht Neurobiologie im Titel stehen, ich hätte es nicht in die Hand genommen.

Fazit:

Ein beeindruckendes Buch, dass aus neurobiologischer Sicht erklärt, wie sich Stress auf den Körper auswirkt und was wir selber dazu beitragen können, dies zu verändern und dadurch gesünder zu werden.

In meinen Augen unterschiedet es sich, durch den neurobiologischen Aspekt, grundlegend von anderen „Achtsamkeits- und Gesundheitsbüchern“.

 

 

Mein Leben hat das Buch schon ein Stück verändert. Ich mache nun täglich einfache Meditationsübungen und ruhe seit dem viel mehr in meiner Mitte. Ich kann es nur wärmstens empfehlen!

 

5 ♥ ♥ ♥ ♥ ♥

Wie sich Stress unteranderem auswirken kann:


„Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck und koronare Herzerkrankungen. Stress steht aber auch in Verbindung mit entzündlichen Krankheiten wie Arthritis oder chronischen Darmerkrankungen, er kann Auslöser von Schlafproblemen mit all ihren Konsequenzen sein und auch von Kopf- und Rückenschmerzen. Libidoverlust und /oder sexuelle Funktionsstörungen können durch Stress verursacht werden und nicht zuletzt steht er in Zusammenhang mit Suchterkrankungen (Alkohol, Nikotin und Härteres), Allergien sowie Hauterkrankungen. Ganz zu schweigen von psychischen Belastungen bis hin zu Angstzuständen, Panikattacken und Depressionen.

Diese Liste ist längst nicht vollständig und soll an dieser Stelle auch nur verdeutlichen, dass chronischer Stress kaum überschätzt werden kann. „


Der Selbstheilungscode –

Die Neurobiologie von Gesundheit und Zufriedenheit

Autor: Prof. Dr. med. Tobias Esch

Verlag: Goldmann (Erstausgabe Januar.’18)

ISBN-10: 3407864434

Seiten: 336

Ich danke dem Verlag herzlich für dieses Rezensionsexemplar!

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