Blogtour Syrien + Gewinnspiel | Geflüchtet von Abdullah Al-Sayed

Blogtour Syrien + Gewinnspiel | Geflüchtet von Abdullah Al-Sayed

11. November 2018 9 Von Petrissa_

Heute stelle ich Euch ein Buch vor, dass mir sehr wichtig geworden ist.

Abdullah war 11 Jahre alt, als der Krieg in Syrien ausbrach. 16, als sich die Situation so zugespitzt hat, dass er fliehen musste. Sein Bruder wurde verschleppt, sein Vater getötet.


Er erzählt abwechselnd von seiner Ankunft in Deutschland, der Jugendwohngruppe, in der er untergebracht wurde und ihm erst mal viel Ablehnung begegnet ist und von seiner Kindheit in Syrien. Von den Anfängen des Krieges und wie sich sein Leben dadurch verändert hat.

Reflektion:

Das Buch hat mich sehr berührt und ich habe Abdullah sehr in mein Herz geschlossen. Ein sehr sympathischer junger Mann, tapfer und mutig. Ich habe größten Respekt vor ihm und dem Weg, den er gehen musste.


Das Buch hat mir so sehr gefallen, weil es die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Syrien und Deutschland deutlich macht. Er erklärt die Hintergründe auf eine verständliche Weise und auf eine Art, die mir unheimlich sympathisch ist.

Es war mir, als würde ich ihn persönlich kennen, mit an seinem Tisch in Syrien sitzen. Und es brach mir das Herz, als sein Vater starb. Einmal weil ich seinen Vater genauso sympathisch fand, aber auch, weil die Liebe, die Abdullah für seinen Vater empfand, so fühlbar wurde, dass es mir unendlich leid tat und ich dachte: Kein Kind auf der Welt sollte dies erleben müssen.

Krieg in Syrien:

Auf ca 150 Bürger in Syrien kam ein Spitzel. Abdullah schildert, wie man unter diesen Last lebt.

Wer etwas gegen Assad sagt, ist tot.“


Der Krieg in Syrien begann ja damit, dass Kinder „Nieder mit Assad!“ an die Schulwand sprühten.

Diese Kinder wurden festgenommen und ins Gefängnis gesperrt. „Foltergefängnis bedeutet Tod.“

Als die Eltern die Herausgabe der Kinder forderten, sagte ein Offizier zu ihnen: „Vergesst eure Kinder! Macht euch neue!“

Es kam zu Demonstrationen und die Demonstranten wurden von Assads Soldaten nieder geschossen. Es kam zu mehr Demonstrationen, zu Unruhen. Ehemalige Soldaten riefen dazu auf, gegen Assad zu kämpfen. Die „freie syrische Armee“ bildete sich und der Bürgerkrieg wurde immer blutiger.

Als wäre das nicht schon schlimm genug, blieb es nicht dabei.


Während in Deutschland und anderen westlichen Ländern alle Jugendlichen im „Tribut von Panem“-Fieber waren und leidenschaftlich für Jennifer Lawrence schwärmten, sorgte bei uns plötzlich jemand ganz anderes für Aufmerksamkeit: der ISIS, also der „Islamische Staat im Irak und in Syrien“. Ursprünglich hatten seine Anhänger gegen die amerikanische Besatzung im Irak gekämpft – daher auch der Name. […] ISIS war eine radikal-islamische Vereinigung, die mit ihrer überstrengen Auslegung des Islams überhaupt nicht in unser relativ liberales Syrien passten. […] Auch diese Kämpfer hatten den Sturz von Assad zum Ziel. Allerdings wollte der ISIS – der schließlich einfach zum IS wurde – bei dieser Gelegenheit Syrien gleich ganz abschaffen. Den er plante einen neuen Staat für alle Muslime.“


Der IS kam, um gegen Assad zu kämpfen, kämpfte aber gleichzeitig gegen die Bevölkerung. Hinrichtungen wurden bald zum Alltag. Jemand rasierte seinen Bart? – Haram! Jemand begeisterte sich für Fußball? – Haram! Und sie schreckten auch nicht davor zurück, Kinder und Jugendliche hinzurichten.


Meine Heimatstadt hatte nichts mehr mit dem zu tun, was sie vor dem Bürgerkrieg einmal gewesen war. Meine aus tiefstem Herzen geliebte Heimat. Sie war einfach zerstört.“


Wie kann man so leben?

Wie ??

….kann man unter dem IS leben?

… lebt man, wenn man (fast) alles verloren hat?

… hält man diese Todesangst aus?

… fühlt man sich, wenn man als Jugendlicher seine Familie verlassen muss?


Wie fühlt es sich an, alleine in einem fremden Land anzukommen, dessen Sprache und Kultur man nicht versteht?

Wenn man von anderen Gleichaltrigen und Erwachsenen misstrauisch beäugt wird?

Wenn man für etwas verantwortlich gemacht wird, was irgendwelche Terroristen getan haben?


Abdullah hat all dies und noch viel mehr erfahren müssen.

Eigentlich kennen wir es!

Dieses Buch ist heute wichtiger den je! Und fast all diese Antworten müssten wir selber kennen. Wenn wir es auch nicht selbst erlebt haben, so doch unsere Eltern und (Ur-)Großeltern.

Die meisten unsere Eltern und (Ur-)Großeltern haben im Krieg alles verloren. Lebten in ständiger Todesangst. Mussten fliehen. Von Deutschland ins Ausland oder vom Sudentedeutschland nach Deutschland zurück.


Aber man muss nicht mal bis zum 2. Weltkrieg zurück gehen.

Wie viele DDR Bürger kennen diese Todesangst? Die Foltergefängnisse und Spitzel? Wie viele sind in den Westen geflohen? Wie viele Kinder wurden ihren nicht „staatstreuen“ Eltern in der DDR entrissen?


Und nun haben 20% der Bevölkerung das vergessen?! Und hacken nach unten auf die Flüchtlinge?

Niemand sucht sich das aus!

Abdullah hat sich nicht ausgesucht, dass in seinem Land Krieg herrscht. Er hat sich nicht ausgesucht, engste Vertraute zu verlieren. Er hätte sich eine andere Kindheit gewünscht. So wie all die anderen Syrier auch.


Und hier in Deutschland erdreisen sich Menschen zu behaupten, in Syrien sei es nicht so schlimm?

Erdreisen sich, Lügen zu verbreiten über „die Gefahr von Flüchtlingen“!?

Hier in Deutschland lassen Menschen es zu, dass viele Hunderte im Mittelmeer ertrinken.

Grauenhaft!

Fazit:

Mit einer sprachlichen Prägnanz, der man sich nicht entziehen kann und einer Emotionalität, die nicht aufdringlich ist, führt er uns Europäern vor Augen, wie unterschiedliche wir Menschenleben bewerten.


Er schreibt so sympathisch, dass man ihn direkt ins Herz schließt.

Ich wünsche dem Buch viele, viele Leser_innen!


5 ♥ ♥ ♥ ♥ ♥

Lieber Abdullah,

ich wünsche Dir und Deiner Familie das allerbeste für Eure Zukunft. Und Du sollst wissen, dass es mir unendlich leid tut, was Dir passiert ist. In Syrien – aber auch in Deutschland!

Gewinnspiel

Der Arena Verlag war so freundlich, mit dieses Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung zu stellen und ich möchte es gerne an Euch verlosen.

Das Gewinnspiel läuft bis einschließlich 25.11.2018.

Gewinnspielfrage:

Ich würde von Euch gerne wissen, was Ihr über die Erlebnisse Eurer (Ur-)Großeltern im 2. Weltkrieg wisst?

Ich weiß, dass ist keine einfache Frage. Aber ich finde es wichtig, gerade in der heutigen Zeit, über unsere Vergangenheit nachzudenken. Einmal, um uns zu erinnern, viele unsere Vorfahren sind auch geflüchtet. Und zum anderen: Das darf nie wieder passieren!


Vielleicht ist die Frage ja auch einfach ein Anlass, ganz unabhängig vom Gewinnspiel, mal mit Euren Eltern und Verwandten oder auch alten Nachbarn, darüber zu reden.

Teilnahmebedingungen:

– Die Gewinnspielfrage muss beantwortet werden. 

– Ihr erklärt Euch damit einverstanden, dass ich Eure Adresse an monerl.de weiter sende, die das Buch gerade hat.
– Monerl oder ich übernehmen keine Verantwortung, falls das Päckchen auf dem Postweg verschwindet.

– Es findet keine Barauszahlung statt.

– Es können nur User mit einer Adresse innerhalb von Deutschland mitmachen.

– Ihr müsst 18 Jahre alt sein oder mir die Erlaubnis Eure Eltern zuschicken.

– Ihr schickt mir bis zum 30.11.18 Eure Adresse oder ich lose neu aus.

– Die persönlichen Daten, wie Name und Adresse, werden von mir und monerl.de nach Versand unwiderruflich gelöscht.

– Es gelten die aktuellen Datenschutzbestimmungen von morgenwald.eu.

– Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.



Viel Glück! Und danke an alle, die unsere Blogtour begleitet und gelesen haben!

Auch bei Monerl und Daniela findet heute ein Gewinnspiel statt. Schaut mal vorbei.


Meine anderen beiden Beiträge zur Blogtour Syrien findet Ihr einmal hier (Vor-Urteile) und hier (Jenseits des Meeres)

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