Buchvorstellung “Jagdsaison” + Interview mit Nina Casement

Buchvorstellung “Jagdsaison” + Interview mit Nina Casement

20. November 2018 5 Von Petrissa

Die Autorin Nina Casement hat mich vor einer Weile angeschrieben, ob ich ihr neustes Buch „Jagdsaison – Ein mörderischer Reisebericht“ lesen möchte. Da ich ein ziemliches Weichei bin, lese ich nur seltenst Thriller. Doch ich habe noch nie eine so nette und süße Mail von einem/einer Autor*in bekommen, dass ich dachte, auch wenn ich das Buch nicht lesen möchte, möchte ich Nina gerne helfen, ihr Buch bekannter zu machen.

Von Tintenhains Litfaßsäule und angeltearz Interviews inspiriert, habe ich Nina angeboten, dass sie Ihr Buch auf meinem Blog vorstellen darf.

Inhaltsangabe zu "Jagdsaison - Ein mörderischer Reisebericht"

Wo lässt es sich besser verschwinden als in den endlosen Wäldern Schwedens? Diese Frage stellen sich Frederika,  Lars und Karl – wenn auch aus sehr unterschiedlichen Motiven.

Eine junge Frau, die ziellos in den Norden flieht, weil ihre Zukunftspläne zerstört zu sein scheinen. Ein Mann, der seiner finsteren Leidenschaft sein ganzes Leben unterordnet – und nicht nur das eigene. Ein abgehalfterter Polizist, der sich einzig und allein nach der Rente sehnt. Bald verbindet die drei weitaus mehr als nur die Sehnsucht nach Glück im einsamen Nordschweden.

Interview

Liebe Nina, mit welchen drei Eigenschaften würdest Du Dich beschreiben?

Problemlösungsorientiert, kreativ … und eigenartig.:-)  (Zählt das? Oder ist das eher eine Meta-Eigenschaft?)

Frederika, die einfach nur weg will, Lars, der eine finstere Leidenschaft hat und Karl, der Polizist, der sich nach seiner Rente sehnt.  Mit je welcher Eigenschaft würdest Du die drei beschreiben? Und gibt es etwas, was Du uns über einen verraten kannst, was vielleicht gar nicht im Buch steht?

Fred(erika): Zurückhaltend. Sie hält sich – obwohl ehrgeizig – für eine schrecklich graue Maus. Im Laufe des Buches macht sie keine 180°-Wendung (weil ich so etwas zumeist für unglaubwürdig halte), entdeckt aber sehr wohl, dass sie nicht ganz so grau ist, wie sie befürchtet.

Lars: Zerrissen. Im Grunde weiß er, dass er Untaten begeht, er fühlt sich nicht wohl damit. Er ist aber zu schwach und empfindet zu wenig Selbst- und Fremdwert, um etwas daran zu ändern.

Karl: Gutherzig. Verdeckt von Abgestumpftheit, Bequemlichkeit, Resignation und einem wirklich unvorteilhaften Äußeren wird das aber selten bemerkt.

 

Frederika flieht ziellos nach Schweden, weil Ihre Zukunftspläne zerstört wurden. Würdest Du selbst auch nach Skandinavien fliehen oder wo anders hin?

Heutzutage auf keinen Fall nach Schweden, weil dort alles viel zu digital ist – da hinterlässt jeder zu viele Spuren, um wirklich dauerhaft verschwinden zu können (lebendig zumindest …). Außerdem sind die Winter zu kalt, da bist du drinnen oder tot. Ich würde nach Südostasien fliehen, Thailand, Vietnam oder Laos vielleicht. Da reicht das Geld länger und ich hätte mehr Zeit, mir etwas auszudenken / aufzubauen.

Wenn Du Dich plötzlich in Deinem Buch wiederfinden würdest, was würdest Du dort tun?

Vorsichtig mit den Jägern sein … welchen auch immer! Und natürlich Schweden genießen, wenn ich schon einmal dort bin.

Welche Figur aus Deinem Buch magst Du am liebsten und warum?

Karl, weil er auf verlorenem Posten kämpft.

Ich stelle es mir interessant vor, als Autorin einen Mord zu beschreiben, ihn "geschehen zu lassen". Was hast Du dabei gefühlt und wie hast Du das düstere Gefühl des Mörders in Dir erzeugen können?

Ehrlich gesagt, war das nicht so gruselig. Ich habe vorher eine ganze Reihe Grusel- und Horrorkurzgeschichten geschrieben, da ging es teilweise (wenn auch nicht immer) durchaus deftiger zur Sache, sodass mir die Morde beinahe harmlos erschienen. Viel interessanter war für mich die Frage „Wie würde ich es anstellen, um nicht erwischt zu werden?“

War Dir der Plot von Anfang an klar oder hat er sich mit den Figuren entwickelt?

Es gab einen Grundplot, viele Notizen und einige detailliertere Szenen, die mir von vorneherein wichtig waren, das Übrige hat sich entwickelt.

Ist es schwer, ein Ende zu finden? Ich stelle es mir so vor, dass die Figuren in einem ja ein Stück weiter leben.

Ich brauche immer einen Epilog. Ich schreibe auch immer einen, genau aus diesem Bedürfnis heraus. Wenn ich selbst lese, finde ich es ganz schrecklich, wenn die Geschichte mit dem letzten spannenden Moment endet. Ich weiß, da scheiden sich die Geister, aber mir ist unheimlich wichtig noch eine kurze Idee davon zu haben, was aus den Protagonisten geworden ist (egal ob eine Woche, einen Monat, ein Jahr oder ein Jahrzehnt später). So ein Epilog schenkt für mich sowohl beim Lesen als auch beim Schreiben einen sauberen Abschluss. Und wer Derartiges nicht mag, kann das Buch ja immer noch vorher zuschlagen. 🙂

Gibt es etwas, dass Du zum Schreiben unbedingt brauchst?

Spiralblock (öko-extraweiß, kariert, schmaler Rand auf einer Seite), Bleistift (HB, Herlitz, unlackiert – falls ich einmal in Gedanken drauf beiße) und eine gute Kneipe. Das alles allerdings nur für den ersten Rohentwurf, alles weitere (Notizen, Recherche, unzählige weitere Entwürfe und Korrekturgänge, das Gros der Zeit & Arbeit eben) findet nüchtern und am heimischen Rechner statt.

Wenn Deine Geschichte real wäre, gäbe es etwas, was Du einer Figur oder allen dreien gerne mit auf den Weg geben würdest?

Ich würde ihnen raten, etwas zu wagen. Fred weniger schüchtern zu sein und viel auszuprobieren, Lars die Konsequenzen aus seinem Handeln zu ziehen und Karl etwas mehr Spaß im Leben zu haben.

Wenn Du Dich selbst interviewen müsstest, was würdest Du Dich fragen?

Was schreibst du als nächstes?

Und wie lautet die Antwort?

Eine Dystopie – wieder wird das Thema Reise dominieren, aber in wesentlich apokalyptischerem Kontext! Dazwischen werden auch noch ein paar Kurzgeschichten ganz verschiedener Genres in diversen Verlagen zu finden sein. 🙂

Wenn Du magst, darfst Du den Leser*innen gerne noch etwas sagen:

Man kann nicht genug Bücher besitzen. Am besten die aus Papier, die man in Regale stellen, darin schmökern und sie später Kindern, Enkeln oder wem auch immer verleihen, vererben, verschenken, spenden … kann.

 

Liebe Nina,

ich danke Dir herzlich für Deinen Einblick in Deine Arbeit und die interessanten Antworten! Ich wünsche Dir viele Leser*innen und auf Deine Dystopie bin ich schon gespannt.

 

Und falls Ihr nun neugierig geworden seid, so klickt einfach oben auf den Link neben dem Bild und Ihr landet auf Ninas Homepage.

 

Liebe Grüße

Petrissa

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