[Kurzrezension]Faust uff klassisch hessisch mit em Osterspaziergang

[Kurzrezension]Faust uff klassisch hessisch mit em Osterspaziergang

18. April 2018 3 Von Petrissa
Faust uff klassisch hessisch mit em Osterspaziergang
Autor: Dieter Schneider und J.W.von Goethe
Verlag: Naumann, Michaela (2000)
ISBN-10: 3933575249
Seiten: 47 

 Ich liebe es, hin und wieder was auf hessisch zu lesen. Danach habe ich zwar oft das Gefühl, die deutsche Rechtschreibung verlernt zu haben, aber Dialekte sind schon was Feines. Außerdem sind sie eine tolle Sache, um Klassiker zu lesen, ohne die lange Version lesen zu müssen.

In 6-Zeilern wird hier auf hessisch die Geschichte von Faust erzählt, so wie in 4-Zeilern “Der Osterspaziergang”.
Faust will was von Gretchen, die aber nicht von ihm. Mephisto greift ein, aber das hat natürlich seinen Preis. 
“Mefisdo als en Sadanbrade
verstehd sich uffs Gedankerade.
Er sechd zu em, so neweher,
dass er sei Lewe, des so schwer,
dorch ihn e bissi ännern kennd, 
bevor mit Aweid er’s verpennd.”
(Mephisto als ein Satansbraten, er versteht sich aufs Gedankenraten. Er sagt zu ihm, so nebenher, dass er sein Leben, das so schwer, durch ihn ein bisschen ändern könnte, bevor er es mit Arbeit verschläft.)
Was mir an den sechser Zeilen nicht so gut gefällt, dass es mich immer wieder an Büttenreden erinnert hat. 
Der Osterspaziergang dagegen gefällt mir sehr. 
Hier geht es darum, dass ein Gelehrter mit seinem Schüler genug davon hat, in der Wohnung zu sitzen und raus geht, um den Frühling zu entdecken. 
Ich kannte ihn noch nicht und habe dann auch mal nach dem Text gegoogle und gesehen, dass der Autor hier, es auf eine sehr witzige Weise umgeschrieben hat. 
So veräppelt er die umliegenden Städte von Frankfurt. 
Er macht mit seinem Schüler Rast in einer Gaststätte:
“Was mir gefehld bis jetz im Lewe,
des is ganz aafach nor die Freud, 
un die, die kann mehr hier erlewe,
am Tisch mit aafach liewe Leud. 
Aach Fremde, wo nach Frankford komme, 
die Hänneler zur Frihjahsmess,
die wern mit an de Disch genomme
un freue sich an unsre Späß.
Von dene heerd mer Neuischkeide,
was so bassiert drauß in de Weld.
Mir freue uns, wann mer beim Scheide
uns secht, dass es en hier gefällt.”
(Was mir bis jetzt gefällt im Leben, das ist ganz einfach nur die Freude, und die kann man hier erleben, mit einfachen Leuten. Auch Fremde die nach Frankfurt kommen, die Hanauer zu Frühjahrsmesse, die werden  mit an unseren Tisch genommen und freuen sich über unsere Späße. Von denen hört man Neuigkeiten, was so passiert in der Welt. Mir freuen uns, wenn wir uns trennen und sagt, dass es ihnen hier gefällt. -> Hanau liegt nur 17 Kilometer neben Frankfurt. 🙂 ).
Noch den letzten Vers, der das bekannte Zitat vorbringt.
Original:
Ich höre schon des Dorfs Getümmel.
Hier ist des Volkes wahrer Himmel.
Zufrieden jauchzet gross und klein:
Hier bin ich Mensch, hier darf ichs sein!
Auf hessisch:
“Sie hogge all so lieb und friedlich,
un ich fihl mich hier werglich frei,
hier isses aafach urgemiedlich.
Hier bin ich Mensch, hier derf ich’s sei.” 
4 ♥ ♥ ♥ ♥
Vielleicht mögt Ihr mir ja verraten, welcher Dialekt bei Euch gesprochen wird und ob Ihr selbst auch (ein bisschen) so reden könnt? 
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