Rezension: Anders sehen von Beau Lotto

Rezension: Anders sehen von Beau Lotto

1. August 2018 4 Von Petrissa

Anders sehen

Die verblüffende Wissenschaft der Wahrnehmung

Autor: Beau Lotto

Übersetzer_in: Jens Hagestedt, Katja Hald

Verlag: Goldmann (01.2018)

ISBN-10: 3442159385

Seiten: 448

Inhalt:

Du siehst was, was du nicht siehst

Was wir sehen, hören, fühlen, entspricht nicht der Realität. Wahrnehmung ist die Grundlage aller menschlicher Erfahrung, und sie trügt, wo sie nur kann. Darum will der weltbekannte Neurowissenschaftler Beau Lotto nichts Geringeres, als uns eine neue Art des Wahrnehmens zu ermöglichen, denn dies ist der Schlüssel zu Glück und Erfolg. Wir sollen nicht nur verstehen, sondern wirklich erleben, wie unser Gehirn die Informationen der Sinne beschneidet. Dazu kombiniert der Autor spannende Geschichten, eigene Experimente und optische Täuschungen zum Selbsttest. Auf seine originelle, humorvolle und anschauliche Weise lässt uns Beau Lotto am eigenen Leib unsere Wahrnehmung wahrnehmen und somit auf die nächste Stufe heben. (Verlagsinformation)

Meine Meinung:

Es geht hier nicht im engeren Sinne nur um Sinneswahrnehmung, auch wenn sich der Anfang so liest.

Nur 10% was wir sehen, verläuft über die Augen, erklärt Beau Lotto, der Rest über andere Bereiche des Gehirns. Der „Rest“ besteht zum großen Teil aus der Sozialisierung – da hatte ich doch anderes vom Buch erwartet. Natürlich prägt unsere Sozialisierung auch das Gehirn, das Wissenschaftsgebiet von Beau Lotto. Doch wer hier wirklich Fakten zur Neurowissenschaft erwartet oder sich schon ein bisschen auf dem Gebiet auskennt, wird enttäuscht werden.


Leider ist das Buch typisch amerikanisch, typisch populärwissenschaftlich. Er redet viel, sehr viel und die einzelnen Fakten muss man sich aus seinen persönlichen Storys selber raus suchen. So dauert es geschlagene 60 Seiten, bis es überhaupt mal spannend wird.

Menschen sehen kein UV Licht, andere Tiere schon. Ja, so weit klar.

„Hummeln zum Beispiel besitzen ein ausgesprochen gute entwickeltes Farbsehvermögen, das es ihnen ermöglicht, auch Strahlungen im UV Bereich wahrzunehmen. Interessanterweise entwickelte sich die Fähigkeit noch vor der Pigmentierung der Blumen,was wiederum bedeutet, dass Blumen aussehen, wie sie aussehen, weil sie für die Bienen „schön“ (attraktiv) sein wollen.“

Wie, Blumen waren nicht immer bunt? Ich erzählte das einer Freundin, Biologin, die das für eine steile These hält, da es Blütenpflanzen seit der Kreidezeit gibt und Farbstoffe nicht mit versteinert werden.


Ich hatte echt viel erwartet von dem Buch. Die anderen Rezensionen klangen so toll.

Aber das Menschen in Tokio anders sozialisiert sind, als wir in Europa, das war mir auch schon vorher bewusst. Für Japaner ist es ein schlechtes Omen, die Essstäbchen senkrecht in den Reis zu stecken, weil es den Tod symbolisiert, in „Holland“ (was ist denn das für eine Übersetzung?) ist diese Wahrnehmung bedeutungslos.


Die Selbsttest reichen von den üblichen Illusionsbildern zu kleinen Tests, wie aus zwei Reihen von Buchstaben Wörter zu bilden. Die Buchstaben selbst bleiben die gleichen, nur in einer anderen Reihenfolge. Da unser Gehirn annimmt, dass Buchstaben, die nebeneinander liegen, eher zusammen gehören, als entferne Buchstaben, kommen in der zweite Reihe andere Wörter heraus.

Auch hier haben sich die Übersetzer nicht die Mühe gemacht, die Buchstaben so anzupassen, dass man deutsche Wörter bilden kann.


Graphisch ist das Buch wirklich schön aufgemacht.

2,5 ♥ ♥

Andere Rezension:

++ Fluchtpunkt Lesen


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