Rezension: Atlas der Vorurteile | Yanko Tsvetkov

Rezension: Atlas der Vorurteile | Yanko Tsvetkov

4. Dezember 2018 1 Von Petrissa

Jeder sieht die Welt mit eigenen Augen. Wie sehr die eigene Perspektive den Blick auf die Welt bestimmt, das deckt der Atlas der Vorurteile des bulgarischen Designers Yanko Tsvetkov schonungslos auf. Zum Beispiel Europa aus der Sicht von Deutschland oder Griechenland – da werden fundamentale Unterschiede deutlich.

Oder auch: Europa durch die Brille des Vatikans und von Schwulen-Seite aus betrachtet. Eine herrlich komische Sammlung von Vorurteilen und verqueren Informationen, die der Wahrheit auf der Spur ist und die sie manchmal gar überholt.

 

In dieser Edition sind beide Bände des Atlas der Vorurteile in einer Ausgabe kombiniert und exklusiv mit neuen, unveröffentlichten Karten ergänzt.

(Informationstext im Buch)

Neben den vielen Grafiken, die darstellen sollen, welche Vorurteile ein bestimmte Land den anderen Ländern gegenüber hat, fasst der Text kurz die Geschichte des jeweiligen Kontinents zusammen.

Manche der Grafiken/der Vorurteile sind witzig und auch verständlich. So sieht Polen in Schweden „Investoren“, die Niederlande dagegen sehen dort nur die „Mistmöbel“.

Manch anderes bleibt mir völlig unverständlich. So wird Schweden von den Russen als Land des „Gruppensex“ gesehen, die Ungarn sehen dort nur die sexy Blondinen und für den Vatikan sind die Schweden scheinbar „sexsüchtig“. Das „Warum?“ bleibt ungeklärt und ich kann nur fragend die Augenbrauen hochziehen.

 

Was mich sehr gestört hat an dem Buch, ist die Sexbezogenheit.

Da gibt es die Kamelficker und die Pferdeficker, die Föten-Fresser, die ungläubigen Sodomiten.

Es gibt eine Europäische Liebes-Landkarte, bei der Deutschland mit „Volles Rohr“ betitelt ist, Groß-Britannien mit Mundgeruch und die Beneluxländer mit „Kiefer-Romantik“. Mir persönlich ist das zu derb.

Atlas der Vorurteile

Die geschichtliche Texte fand ich dagegen gut. Er ist sehr einfach, umgangssprachlich geschrieben.

„Die Historiker sind sich über eines allerdings einig. Kolumbus hatte keinen blassen Schimmer, dass er auf einem neuen Kontinent gelandet war, und bis zu seinem letzten Seufzer war er der Überzeugung, er habe den Weg nach Indien entdeckt. Es sollte noch einige Zeit dauern, ehe die Europäer kapierten, dass er in Wahrheit einen Kontinent entdeckt hat. […] Und trotz all dem Lärm und Tamtam ist es wohl für niemandem mehr ein Geheimnis , dass Kolumbus nicht der erste Europäer war, der die neue Welt erreichte. „

Er beschreibt aber auch Dinge, die man in keinem normalen Geschichtsbuch lesen kann, aber dennoch stimmen (Ich habe recherchiert).

So verkauften die Wikinger dem europäischem Adel die Stoßzähne des Narwales als Einhorn-Horn. Oder das die Muslime den Europäern Mumien als Heilmittel verkauften. Unsere Vorfahren aßen Mumien.

 

So macht Geschichte Spaß! Ich würde mich freuen, wenn ich auf diese Art mehr vom Autor lesen könnte. Mit den Grafiken konnte ich allerdings wenig anfangen.

 

3,5 Sterne

 

Atlas der Vorurteile
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