[Rezension] Blutige Steine

[Rezension] Blutige Steine

17. Februar 2018 6 Von Petrissa
Blutige Steine
Commissario Brunettis vierzehnter Fall
Autorin: Donna Leon
Verlag: Diogenes (Oktober. 2007)
Seiten: 368
ISBN-10: 3257236654
„Weil ein Schwarzer häßlich ist,
Ist mir denn kein Herz gegeben?
Bin ich nicht von Fleisch und Blut?“
Die Zauberflöte

Inhalt:
Im vorweihnachtlichen Venedig wird ein
Schwarzafrikaner, ein „Illegaler“ von zwei Profimördern
erschossen.
Die Ermittlungen sind schwierig, weil
es keine Hinweise auf die Identität gibt.
Gerade als Brunetti erste Fortschritte
macht, wird ihm der Fall entzogen. Zur eigenen Sicherheit, wie sein
Chef sagt. Natürlich wäre Brunetti nicht Brunetti, wenn er sich dem
so einfach beugen würde.
Meine Meinung:
Ein hochspannender Politkrimi!
Man spürt, hier ist was Mächtiges im
Gange, auch wenn man lange keine Ahnung hat, was.
Wie leben Illegale eigentlich? Wie auf
einem anderen Stern, vergleicht die Sekretärin. Wir wissen nichts
von ihnen, obwohl sie unter uns leben. Und das gilt natürlich nicht
nur für Italien.
Heikle Themen werden angeschnitten, ob
nun auf Brunettis Arbeit oder daheim, wo seine Tochter den Satz los
lässt: „Es war doch nur ein vacumprà“. So werden die
„illegalen“ Menschen abfällig genannt, die gefälschte
Markenwaren auf ihren Decken verkaufen, wenn die Läden schließen.
Was wissen wir denn über Afrika?
Gemeinsam mit Brunetti stellt man sich die Fragen zwangsläufig auch
selbst. Was wissen wir darüber, warum die Menschen zu uns kommen?
Afghanistan, Syrien – klar. Aber was
wissen wir über Schwarzafrika?
Was ich bei Donna Leon so mag, dass der
Leser mitdenken muss. Es wird einem nicht alles vorgekaut. Dinge
werden angeschnitten und man muss manches selbst zu Ende denken.
Ich mag ihre Sprache sehr. Jedes Wort
scheint genau dahin zu gehören, wo es steht. Ja, für mich ist ihre
Ausdrucksart eine Liebeserklärung an das Wort an sich.
„ „Ein Gutmensch also?“ brummte
Vianello.
Der abschätzige Unterton stellte
Brunetti wieder einmal vor die Frage, wieso dieser Begriff allmählich
zum Schimpfwort verkam. War es nicht einfach paradox, dass einer, der
Gutes tun wollte, sich heut quasie dafür entschuldigen musste?
„Da gibt es nichts zu spotten“,
antwortete er, „und ja, ich glaube, er ist ein guter Mensch.“ “
Das Buch ist von 2005 und doch
hochaktuell.
5 ♥ ♥ ♥ ♥ ♥
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