Rezension: Das Lächeln der Vergangenheit von Birgit Weidt

Rezension: Das Lächeln der Vergangenheit von Birgit Weidt

22. Juli 2018 4 Von Petrissa

Das Lächeln der Vergangenheit

Eine Entdeckungsreise zu den Ureinwohnern Neukaledoniens

Autorin: Birgit Weidt

Verlag: Dumont Reiseverlag (April. 18)

ISBN-10: 377018291X

Seiten: 256

Inhalt:

Birgit Weidts Großvater war während des 2. Weltkrieges kurze Zeit auf Neukaledonien. Eine Inselgruppe westlich von Australien. Von dort hat er eine Art Holzmaske mitgebracht, ein Talisman, den er Birgit Weidt schenkte.

Über ein halbes Jahrhundert später macht sich Weidt nun auf die Suche nach der Herkunft der Maske.


Dabei darf sie in einem Stamm bei Ureinwohnern leben, lernt Schamanen und Maskenschnitzer kennen. Erfährt von der Rolle der Frau in einem Stamm, erlebt die Konflikte von älteren und jüngeren Frauen. Erfährt viel über die Bräuche und den Glauben der Menschen, über Moderne und Tradition.

Meine Meinung:

Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Es war nicht nur unterhaltsam, sondern auch informativ.

Wir erfahren hier sehr viel über die Ureinwohner. Sie selbst nennen sich Kanak, was von Mensch kommt. Ihr Land nennen sie kanaky.

Das hat nichts mit unserem deutschen Schimpfwort Kanake zu tun. Dieses stammt ursprünglich von den Plantagenfarmen Australiens, wo die aus Ozeanien stammenden Arbeiter Kanake gerufen wurden.


Besonders mochte ich die Erläuterungen zu dem Glauben der Ureinwohner. Sie haben einen christlichen Glauben (durch die Missionare) und einen Ahnenglauben. Ich will hier nicht zu viel verraten, doch das fand ich hochspannend.


Ansonsten haben die Kanak traditionelle Rollenbilder, die von älteren Frauen kommentarlos angenommen werden. Jüngere dagegen schon darüber nachdenken, warum es nicht anders sein kann. Sie trifft auch eine Businessfrau, die an die Gebräuche ihres Stammes glaubt und doch modern lebt.


In vielem ist unsere Gesellschaft und die der Kanak grundverschieden.

Dort ist das Alter z.B ein Zeichen von Weisheit. „“Für sie ist Älterwerden eine triumphale Angelegenheit: „Würde man nicht alt werden, müsste man doch früh sterben. Was schade wäre! Wenn man davon ausgeht, dass das maximale biologische Alter hundertzwanzig Jahre beträgt, habe ich doch erst die Hälfte rum“, lacht sie.““

faire la countume

Wenn man das erste mal zu einem Stamm kommt, bringt man ein Geschenk mit. „Dabei handelt es sich jedoch um eine traditionell vorgeschriebene Gabe, die in einer bestimmten Art und Weise überbracht wird, um eine Verbindung zwischen dem Gast und dem Gastgeber zu knüpfen. […]Mit der Überreichung der Geschenke erbittest du als Gast Schutz und Frieden, und mit der Entgegennahme der Geschenke heißt dich der Gastgeber willkommen – und mit ihm auch die Geisteswesen, die dem Stamm zugehören.“ Was man schenkt, ist nicht so wichtig. Es geht nur um die Geste. Dabei muss man eine kleine Ansprache halten.

“Für uns Kanak zirkulieren gesprochene Worte wie materielle Werte. Sie werden aufgenommen und weitergegeben, aus ihnen schöpfen wir Kraft. Worte dringen in uns ein, werden gebunden und breiten sich im Körper aus. Deshalb ist diese Begrüßungszeremonie wichtig.“

Mir gefällt daran, dass diese Menschen noch einen Bezug zum ursprünglichen haben. Sie wissen, im Gegensatz zu uns Europäern, um die Kraft und Macht von Worten und Gesten.

Mit ihrem Ritual machen sie Dinge bewusst. Der Gast wird sich bewusst, dass er wirklich nur Gast ist und nicht aufgenommen werden muss und der Gastgeber bietet dem Gast seinen Schutz an, wen er ihn aufnimmt. Wir dagegen dringen oft unbewusst in die Räume andere ein und finden es selbstverständlich, bewirtet und beschützt zu werden.



Die Kanak haben eine Matte, auf der sie schlafen. Nach alter Tradition ist es sogar so, dass die Mutter die Matte für ihr Kind flechtet, das Kind auf der Matte geboren wird, sie den Menschen ein Leben lang begleitet und nach dem Tod der Mensch in die Matte eingewickelt wird. Doch leider gibt es auch hier immer öfter Billigware aus China.

Dem Himmel ist man nah in Neukaledonien

Ich mag die Naturbeschreibungen im Buch sehr.

„Langsam erhebt sich der Flieger in die Luft. Ich schaue aus dem Fenster und bin fassungslos, wie schön die Welt ist! Gründe Tupfer im blauen Ozean, der sich mal weißblau, mal türkisfarben zeigt. Die Sonne setzt glitzernde Tupfer auf da Wasser, , und an kleinen Felsen und Sandbänken brechen sich weiß schäumende Wellen.“

Weidt beschreibt es auf eine Art, die mich mitgenommen hat. Ich hatte ganz plastisch vor Augen, wo sie an
der Küste lang gefahren ist, wo der Stamm lebte, der weiche Sand undder wahnsinnig schöne Ozean.

Das tröstet mich darüber hinweg, dass es in dem Buch leider keine Farbfotos gibt. Nur wenige in schwarz-weiß.

@pixabay, Neukaledonien

@pixabay, Neukaledonien

Missionare und Besetzer

Über die Missionare hätte ich gerne mehr erfahren.Die Andeutungen im Buch hören sich positiv an, was mir aber schwer fällt zu glauben. Mich beschäftigte auch die Frage, ob die Kanak das traditionelle Rollenbild von Mann und Frau von den Europäern übernommen haben.

Eine Situation gab es, in dem die Kanak Weidt von dem ehem. französischem Nationalspieler Christian Karembeu berichten, der nie die Nationalhymne mitgesungen hat, weil er nie vergessen hat, was die Franzosen den Kanak und seinen beiden Urgroßvätern angetan haben.

Unter einem Vorwand wurden 1931 zur Pariser Weltausstellung über hundert Kanak auf ein Schiff gebracht. Es hieß, sie sollten Frankreich kennen lernen. Doch die Reise endete direkt im Zoo. „Über fünf Millionen Besucher glotzen sich damals die Augen aus, links lagen Krokodile, rechts waren die Kanak, die froren und unter Heimweh und Krankheiten litten, aber hinter dem Zaun tanzen und singen mussten.“


Das ganze passierte übrigens auch in Deutschland. Hagenbeck in Hamburg war Vorreiter in Sachen Menschenzoos. Ich schilderte kürzlich in der Rezension „Deutschland schwarz-weiß“ davon.

Eine widerwärtige Sache und kaum jemand weiß davon.

Am Ende gibt es noch verschiedene Rezepte aus der Südsee.

Fazit:

Ein Buch, welches ich rundum empfehlen kann. Es beinhaltet wunderschöne Naturbeschreibungen und man lernt
viel über die Einheimischen von Neukaledonien. Es hat mir wirklich großen Spaß gemacht, das Buch zu lesen.


Ich werde keinen Stern dafür abziehen, dass ich nichts über die Missionare erfahren habe, denn das habe ich im Vorfeld auch nicht erwartet. Es ist ein Reisebericht und kein Sachbuch in dem Sinne. Und wenn ich in der letzten Zeit nicht so viel über die Ausbeutung von schwarzen Menschen gelesen hätte, hätte ich vielleicht gar nicht darüber nachgedacht.

5 ♥ ♥ ♥ ♥ ♥

Weitere Rezensionen und Links:

Findos Bücher

Links zu der Autorin:

Homepage von Birgit Weidt (mit Fotos von ihren Weltreisen)

Facebook


Ich danke dem Verlag herzlich für dieses Rezensionsexemplar!

Loading Likes...