Rezension: Fauler Zauber | D.W.Jones

Rezension: Fauler Zauber | D.W.Jones

9. Februar 2019 5 Von Petrissa

Inhalt:

Jahr für Jahr fallen massenhaft Touristen aus der Parallelwelt in die Welt ein, in der Drachen, Magier, Zwerge und andere Fantasywesen leben. Sie verwüsten deren Welt und kämpfen Scheinabenteuer aus. Das alles wird organisiert von Mr. Chesney, der etwas gegen die Fantasywelt in der Hand hat.

Doch trotz dieses Druckmittels haben alle Bewohner der Fantasywelt die Nase gestrichen voll.

 

So wählt die Hochkanzlerin Querida, auf Geheiß des Orakels, den Hexenmeister Derk für diese Saison zum Dunklen Lord, gegen den die Touristen kämpfen sollen und das obwohl alle Magier nicht viel von Derks Zauberkünsten halten.

 

Was hat sich das Orakel dabei nur gedacht?

Meine Meinung:

Das Besondere an Derk ist, dass er die „nützliche“ Magie nicht besonders gut beherrscht. Seine Begabung liegt darin, Lebewesen und Pflanzen zu „modifizieren“. So erschuf er dumme Kühe, die nicht wissen, wann sie geschlachtet werden und daher einfach nur glücklich sind. Fliegende Schweine, fleischfressende Schafe und sehr intelligente Gänse, die Menschen verspotten.

„Unglücklicherweise war bei der Neuordnung des Gartens ausgerechnet der Busch menschenfressender Orchideen neben diese Treppe geraten, und die paar Dutzend gelbe Blüten schnappten alle auf einmal nach Querida, als sie die Stufen hinaufging. Querida wandte den Kopf und schaute sie an. Die Orchideen zuckten hastig zurück.“

Er hat auch fünf Greife, halb Vogel, halb Löwe, die alle auch das Erbgut von ihm und seiner Frau haben, intelligent sind und sprechen können und als Geschwister seiner Kinder im Haus aufwachsen.

Mir hat diese Phantasie großen Spaß gemacht. Und ich mochte ganz besonders die Greife und die beiden Kinder Shona und Blade. Es war spannend, wie sich die Greife unterschieden, je nachdem welche Gene Derk dazu genommen hat.

 

Und so unterschiedlich die sieben auch waren, sie haben immer zueinander gehalten und als Derk in Schwierigkeiten gerät, haben sie dafür gesorgt, dass seine Rolle als Dunkler Lord weiter läuft.

 

Besonders interessant fand ich auch, dass die Geschichte einen „feministischen Touch“ hat. Der mächtigste „Mensch“ dieser Welt ist eine Frau, die auch nicht zimperlich ist. Mensch habe ich in Anführungszeichen gesetzt, weil in dem Buch nur die als Mensch bezeichnet werden, die keine Zauberkräfte haben. Ebenfalls ist das typische Rollenklischee der Fantasy (Hexe = böse, alte Frau, Zauberer = weiser Mann) umgedreht. Hier gibt es Hexenmeister und Zauberinnen.

Die weiblichen Rollen sind durchweg starke Figuren, wenn auch auf ganz unterschiedliche Weise.

 

Natürlich ist auch diese Form des Tourismus eine Gesellschaftskritik in dem Buch, die aber, ebenso wie die Rolle der Frau, niemals aufdringlich wirkt.

 

Es ist humoristisch geschrieben und erinnerte mich phasenweise an Terry Pratchett, wenn vom Niveau auch nicht ganz so hoch.

Im mittleren Teil hat es sich für mich etwas gezogen.

 

Was ich auch bemerkenswert fand, dass in dem Buch zum Teil schlimme Gewalt passiert, aber ohne dass sie beschrieben wird.

So stehen ein Haufen Gewaltverbrecher um ein Mädchen herum. Man „hört“ derweil die Gedanken von jemandem, der in der Nähe ist, der die Situation aber auch nicht weiter beschreibt. Nur an der Vielzahl der Gedanken merkt man, es muss einiges an Zeit vergangen sein. Der Rest ist dem/r Leser*rin überlassen. Ich persönlich finde so was viel, viel angenehmer.

Fazit:

Trotz der Länge im mittleren Teil ein wundervoll kreatives und phantasievolles Buch, mit liebenswerten Charakteren und starken Mädchen-/Frauenfiguren.

Es wird nicht das letzte Buch von Diana Wynne Jones sein, dass ich gelesen habe.

 

4,5 Sterne

 

 

Fauler Zauber

Originaltitel: The Dark Lord of Derkholm

Autorin: Diana Wynne Jones

Übersetzerin: Eva Bauche-Eppers

Verlag: Knaur TB (Januar.’19)

ISBN-10: 342652290X

Seiten: 480

Ich danke dem Verlag herzlich für das Rezensionsexemplar.

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