Rezension: Gangsterblues von Joe Bausch

Rezension: Gangsterblues von Joe Bausch

26. Oktober 2018 4 Von Petrissa

Gangsterblues

Harte Geschichten

Autor: Joe Bausch

Verlag: Ullstein extra (Oktober.’18)

ISBN-10: 9783864930560

Seiten: 224

Joe Bausch kennen viele als Gerichtsmediziner Dr. Joseph Roth aus dem Kölner Tatort. Doch im echten Leben arbeitet Bausch als Gefängnisarzt in der Hochsicherungsanstalt in Werl. Hier erlebt er seit 30 Jahren die ganz harten Jungs. Schon sein Buch „Knast“ hat mich damals total fasziniert. Dort beschreibt er die Abläufe im Gefängnis und die ganz eigenen Regeln.

Inhalt:

In „Gangsterblues“ schildert er Fälle, die genau so nie passiert sind, aber hätten passiert sein können. Er hat aus vielen realen Einzelschicksalen eine neue Lebensgeschichte geschrieben. Von neun Fällen erzählt er hier, jede auf ihre Art schockierend, berührend, hart.

Da sitzt einer unschuldig lebenslang im Knast. Ein andere ist ein wahrer Psychopath, ein Narzisst, wie er im Buche steht. Doch als er die Grenze überschreitet, bekommt er eine Abreibung, die ihn sein zukünftiges Leben prägen wird. Da sind die ganz alten Insassen, die gar nicht mehr wissen, wie man sich draußen zu recht findet. Ein ganz gefährlicher, bei dem doch alle froh sind, als sie ihn los werden. Ein Auftragskiller einer ausländischen Regierung, wo plötzlich Räder rollen, von denen selbst Bausch lieber nichts wissen will.

Meine Meinung:

Mir hat das Buch ausgesprochen gut gefallen.


Man bekommt Einblicke in Lebensgeschichten, die einem so nicht mal in einem Krimi nahe gebracht werden können. Denn hier erfährt man nicht nur Einblicke in den Gefängnisalltag (wenn auch nur im Ansatz), sondern man bekommt auch Einblicke in die Seele mancher Insassen. Die unterm Strich alle nur Menschen sind, mit Ängsten und Sorgen. So sehr einem diese Sicht aus der Opferrolle oder der Beobachterrolle im realen Leben auch verständlicherweise abgeht.


Doch Bausch erzählt es auf eine Art, bei der man plötzlich Mitgefühl empfinden kann, wenn natürlich auch nicht bei allem. Er beschreibt die Fälle mit einer ärztlich, sachlichen und auch mitfühlenden Distanz, in denen er so wohl die Gefährlichkeit der Insassen als zum Teil auch deren liebenswürdigen Seiten nicht außen vor lässt.

Dabei berichtet er aus der Gegenwart des Gefängnisalltags, bei dem die Männer (meistens) zu ihm als Arzt kommen. Von den Verbrechen erfährt man auf sachliche Art, so wie sie in der Regel in der Akte stehen, die sich Bausch kommen lässt.

Dabei ist Bausch den Insassen gegenüber stets aufgeschlossen und freundlich, sich seiner Verantwortung bewusst, dass sie manchmal mit niemandem Reden können, außer mit ihm.

Da ist er also wieder, der Klassiker, das ewige Dilemma. Ich war böse, aber andere sind noch viel schlimmer: Wie oft habe ich das von meinen Patienten nicht schon gehört. Der Einbrecher betont, dass er keinen Menschen getötet, der Räuber, dass er keine scharfe Waffe benutzt habe; der Mörder macht geltend, dass er sich nicht an einem Kind vergangen habe. So gibt jeder das Schlusslicht weiter. Dabei kann es doch nur darum gehen, irgendwo für sich selbst einzustehen – unabhängig davon, was andere tun und wer dabei erwischt wird oder nicht. Das halte ich allen entgegen, wenn wir an dem Punkt angelangt sind, egal welches Delikt er begangen hat, welchen Glauben oder welche Hautfarbe er hat.“

Fazit:

Geschichten, die das Leben schreibt.

Tragisch, traurig, empörend.


Geschichten, die der Knast schreibt.

Interessant, spannend, erschreckend.


Ich hoffe sehr, dass es nicht das letzte Buch von Joe Bausch ist.


5 ♥ ♥ ♥ ♥ ♥

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