Rezension: GIER | Marc Elsberg

Rezension: GIER | Marc Elsberg

2. April 2019 6 Von Petrissa

Inhalt:

In Berlin findet ein großer Wirtschaftsgipfel statt.

Auf den Straßen überall auf der Welt protestieren hunderttausende gegen Armut und für mehr Gerechtigkeit.

Was nur wenige auf dem Gipfel wissen, es steht der nächste Wirtschaftskollaps bevor.

 

Der Nobelpreisträger Herbert Thompson will eine Rede halten, die die Welt verändern könnte Angeblich hat er eine Formel gefunden, mit der alle im Wohlstand leben könnten. Doch auf dem Weg zum Gipfel, Mitten in Berlin, kommt das Auto von der Fahrbahn ab und Thompson und sein Assistent Will Cantor sterben.

 

Einer hat gesehen, dass das Ganze kaltblütiger Mord war. Jan Wutte, Azubi in der Pflege. Und die Mörder haben ihn gesehen. Nun ist Jan auf der Flucht, dicht gefolgt von den Mördern und der Polizei.

Jan hat nur einen Anhaltspunkt: Fitzroy Peel, ehem. Investmanbanker, heute Profispieler.

Meine Meinung:

Was für ein Buch! Nie hätte ich gedacht, dass mir jemand Wirtschaftstheorien auf interessante und verständliche Art erklären kann! Mich interessiert ja so ziemlich alles – bis auf Wirtschaft! Doch Elsberg schafft es, mich in meiner Unwissenheit abzuholen und mir eine neue Welt zu eröffnen.

 

Das Buch wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Jan und Fitzroy, die Mörder, die Polizei und dann gibt es noch Jeanne, die Assistentin eines mehrfachen Milliardärs. Aus ihrer Sicht erfährt man, dass nicht alle auf dem Gipfel das Interesse haben, die Staaten und die Welt zu retten.

 

Alleine dieser Aspekt hat mich schon sehr bewegt. Natürlich weiß man es, aber es bildlich vor Augen zu haben, die Superreichen mit einer Hotelsuite, die größer ist als die Wohnung eines Normalverdieners. Und daneben Leute, die sich nicht mal ein Brötchen leisten können.

Neben Jan lernen wir am Rande noch andere Figuren kennen, die am Existenzminimum oder darunter leben.

Woher hatten diese Leute, die in ihren schicken Klamotten die Lobby und Bar bevölkerten, das Geld? So viel mehr als Jan konnten sie doch nicht arbeiten? Der Tag hatte nur vierundzwanzig Stunden. Schlafen und kacken mussten sie genauso wie er. Warum war deren Zeit so viel mehr wert als seine?

Auf der Suche nach der Formel von Thompson lernen wir verschiedene Theorien kennen, aus denen Menschen z.B. Entscheidungen treffen und die somit die Wirtschaft beeinflussen. Aber lasst Euch davon bitte nicht abschrecken! Jan steht da auf der Seite des naiven Lesers und sorgt schon dafür, dass es nicht zu abgehoben und intellektuell wird. Manchmal hat er mich mit seiner Ungeduld zwar auch etwas genervt, aber er war absolut authentisch.

Und ich finde den Einblick, den ich bekommen habe, wirklich hochinteressant! Vieles wird auch graphisch verständlich aufgearbeitet.

GIER von Marc Elsberg

Es ist dadurch natürlich schon etwas anspruchsvoller, aber wirklich verständlich geschrieben.

Ich mochte seine anderen drei Bücher auch sehr und Blackout und Helix waren jeweils unter meinen Jahreshighlight, aber ich finde, bei GIER merkt man, dass Elsberg schriftstellerisch gereift ist.

 

Was mir auch gut gefallen hat, dass es viele starke Frauen in dem Buch gibt.

 

Die Charaktere selbst werden nicht so tiefgreifend geschildert, was mich nicht gestört hat, da der Schwerpunkt auf der Verfolgungsjagd und den Wirtschaftstheorien lag. Die Geschichte spielt sich innerhalb von zwei Tagen ab, dadurch ist es kompakt und die Spannung hoch.

 

Fazit:

Ein unglaublich spannender Thriller, bei dem man als Laie Wirtschafttheorien verständlich erklärt bekommt.


5 ♥ ♥ ♥ ♥ ♥

Zitate:

„In einer ständig wandelnden Welt bedeutet Anpassung, sich ständig verändern zu müssen. Genau das Gegenteil von konservieren, von konservativ sein. oder konservativ, da werden Sie sich entscheiden müssen. Beides gleichzeitig geht nicht.“

„Fleiß, Anstrengung, Können, Wissen als Grund für Erfolg ist der beliebteste Mythos unsere sogenannten Leistungsgesellschaft. Aber überlegt einmal: Fleiß, Können, Anstrengung und Wissen selbst hängen stark vom Zufall an. Wir wissen, dass fünfzig Prozent oder mehr der Intelligenz eines Menschen genetisch angelegt sind. Ähnlich wie bei vielen anderen Fähigkeiten.“

[…]

„Gene, Familie, soziales Milieu, Ort, Zeit – alles Zufall.“ […] „Manche haben schon bei der Geburt verloren.“

 

„Die Menschen glauben, dass sie sich die Fakten ansehen und sich dann eine Meinung bilden. Tatsächlich handeln sie meistens umgekehrt: Sie suchen sich die Information, die ihre Meinungen bestätigen.“

Ich danke dem Verlag herzlich für dieses Rezensionsexemplar.

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