Rezension: Kleine Stadt der großen Träume von Frederik Backman

Rezension: Kleine Stadt der großen Träume von Frederik Backman

17. Oktober 2018 4 Von Petrissa

Kleine Stadt der großen Träume

Autor: Frederik Backman

Sprecher: Heikko Deutschmann

Verlag: Argon Hörbuch (Oktober.’17)

ISBN-10: 9783839815908

Zeit: 15 Std, 16 Min

Ungekürzte Ausgabe

Erster Satz:

An einem späten Abend Ende März nahm ein Teenager eine doppelläufige Schrotflinte in die Hand, ging damit geradewegs in den Wald, richtete die Waffe gegen die Stirn eines anderen Menschen und drückte ab.

Inhalt:

Björnstadt ist so klein und liegt so weit außerhalb, dass sich dort Hirsch und Elch „Gute Nacht“ sagen. Ein Supermarkt, eine Kneipe – und der Eishockey-Club. Für den leben die Björnstädter. Es gibt keinen Jungen, der dort nicht mitspielt.

Eishockey ist nicht nur ein Sport, sondern auch ein knallhartes Geschäft. Sponsoren gibt es nur, wenn die Jungs gewinnen.

Besonders auf Kevin, dem Star der Mannschaft, liegen alle Hoffnungen. Gewinnen die Junioren, fließen Gelder und der Club kann ausgebaut werden.


Doch dann kommt es zu einem brutalem Unglück und über Nacht ist das Dorf gespalten.

Wie entscheidet man sich?

Für die Wahrheit oder die Lüge?

Für sein Gewissen oder für das Geld und den Ruhm?

Für Integrität oder die Gemeinschaft?

Meine Meinung:

Backman ist es gelungen, ein tiefgreifendes Psychogramm einer Stadt zu zeichnen.


Die Geschichte ist inhaltlich keineswegs leicht, doch packend und mitreißend.

Viele Menschen kommen in dem Buch vor und Backman hat es geschafft, alle Charaktere fein und tief zu skizzieren.

Zwei Figuren gab es, auf die ich das ganze Buch über einen ziemlichen Groll hatte, doch gegen Ende wurde auch hier klar, warum sie so sind, wie sie sind. Und das sie sich innen drinnen etwas anderes wünschen.


Wie das Dorf auf das Unglück reagiert hat, hat mich sehr mitgenommen. Die Stimmung war regelrecht greifbar. Ich weiß nicht, wann ich zuletzt ein Buch gelesen/gehört habe, in dem das Soziogramm in einer so großen Gruppe (der Dorfgemeinschaft) so klar abgebildet wurde. Also auf Deutsch, wer mit wem warum wie agiert hat und für wen Stellung bezogen hat.


Hass kann manchmal extrem stimulierend wirken. Wenn man die Welt in Freunde und Feinde aufteilt, ist sie
leichter zu verstehen und weniger angsteinflößend.

Wir und die anderen, die Guten und die Bösen. Die einfachste Art, eine Gruppe zu Einen, geschieht nicht aus Liebe,

denn Liebe ist kompliziert und stellt Ansprüche. Mit Hass ist es einfacher.

Also entscheidet man sich in einem Konflikt immer zu erst für eine Seite, was leichter ist, als zwei Gedanken

gleichzeitig im Kopf zu behalten. Danach sucht man nach Fakten, die bestätigen, was man glauben will, weil es am
unkompliziertesten ist und das Leben normal weiter laufen lässt. Als Drittes entmenschlicht man seinen Feind.

Es gibt viele Arten, dies zu tun. Doch nichts ist leichter, als ihn seines Namens zu berauben.


Den Spannungsbogen hält Backman gut, in dem er immer wieder auf das Unglück hindeutet.

Sinngemäß wie: Maja hatte einen Infekt, steht aber trotzdem auf. Doch am Abend wird sie sich wünschen, liegen geblieben zu sein.

Thema Eishockey:

In den negativen Rezensionen wird sich beschwert, es ginge nur um Eishockey. Obwohl ich nichts mit Eishockey zu tun habe, hat mich das überhaupt nicht gestört, denn jede Szene sagt was über das soziale Gefüge einer Gruppe aus und welchen Regeln diese unterliegt. Sei es nun in der Vorstandsebene oder auf dem Spielfeld.

Daneben gibt es immer wieder viel Wortwitz, der gerade im Hörbuch unheimlich trocken rüber kommt.

Als Sühne stapfenden Schrittes aus der Dunkelheit auftaucht, muss sie husten. Wenn sie weniger geraucht
hätte, 40, 50 Jahre weniger, wäre es ein Kichern.

Generell finde ich, dass Heikko Deutschmann das Buch perfekt liest.

Diversität:

Homosexualität kommt am Rande vor.

Und Amat ist mit seiner Mutter vor dem Krieg geflüchtet.

Mögliche Trigger:

Kindstot spielt eine Rolle.

Ein weitere möglicher Trigger ist das Hauptthema des Buches. Ihr findet es, wenn Ihr bei Amazon in den 2er-Stern Rezensionen guckt. Falls Ihr nicht für Trigger anfällig seid, schaut dort lieber nicht nach. (Kritisiert wird auch nicht das Trigger-Thema, sondern zu viel Eishockey).

Fazit:

Ich habe alle Bücher von Backman gelesen. Von der Tiefgründigkeit ähnelt es Ove, ist in meinen Augen aber noch tiefschichtiger.

Mir hat von all seinen Büchern das hier am Besten gefallen.


5 ♥ ♥ ♥ ♥ ♥

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