[Rezension] Nettsein ist auch keine Lösung

[Rezension] Nettsein ist auch keine Lösung

5. September 2017 0 Von Petrissa
Nettsein ist auch keine Lösung
Einfache Geschichten aus einem schwierigem Land
Autor: Harald Martenstein
Verlag: C.Bertelsmann
Seiten: 208

In 65 Kolumnen schreibt Harald Martenstein über unser Land, über Politik und über ganz persönliche Dinge wie Vater-sein. 
Polarisierend, schwarfzüngig, ironisch. 
Da geht es um Kitlers, Katzen, die wie Hitler aussehen. 
Um Literatur und um Promis, die in Nachrufen mehr über sich erzählen, als über den Verstorbenen. Natürlich auch um Pegida und die Flüchtlingskrise. Um Beleidigungen, die man als Kolumnist (oder als Harald Martenstein) abbekommt, um Nudelsiebe und Arschlöcher. 
Längst nicht immer politisch korrekt schreibt er, was er denkt. 
Unter seinen Texten gibt es immer mal wieder Kommentare aus dem Internet, die er zu der jeweiligen Kolumne bekommen hat. Einige liefern Zusatzinformationen, die meisten sind unverschämt und beleidigend. Positive Kommentare hat er bewusst weggelassen. 
Seine Texte fand ich überwiegend komisch und zum Nachdenken anregend. 
Natürlich findet man 65 Kolumnen nicht gleich gut und natürlich stimme ich nicht in allen Punkten mit ihm überein. Wenn er sich darüber lustig macht, dass sexistische Werbung abgeschafft werden soll, kann ich nicht mitlachen. 
Aber meistens fand ich es interessant, wie er seine Meinung begründet. 
Außerdem mag ich diese Art der Polemik und konnte mich daher doch immer wieder amüsieren.
Was mich allerdings tierisch genervt hat, waren die Kommentare unter den Texten. 
Dumm und beleidigend, wie man sie zu Hauf im Netz findet, brauch ich nicht abends, wenn ich mich entspannend will. 
“Wer sich gar nicht für die Kirche interessiert wie der gute Herr Martinstein, braucht auch nicht einen heuchlerischen dummen Artikel zu verfassen, dem er sich künstlich echauffiert. Wenn schon könnte er wenigstens konstruktive Kritik üben, indem er selbst ein passenderes Fastenmotto erstellt. Aber dazu reicht es ihm wohl nicht. Krumpolf”
Das fettmarkierte ist von mir. Fast all diese Kritiker fordern ein respektierendes Miteinander und sind doch alle beleidigend. Und noch nicht mal den Namen des Autors kennen. *augen verdreh*
Einzig rentiert hat es sich vielleicht bei der Kolumne “Mitgefühl”, in dem Martenstein darüber berichtet, dass er im Zug sitzt, als jemand sich vor genau diesen wirft. Er schreibt im Folgendem auf, was die Leute um ihn rum so erzählen. Wenig Mitgefühl ist da und einer sagt “Wenn man sich schon unbedingt umbringen will, dann sollte man nicht andere Leute damit behelligen.” Dieser Mensch, Udo Schreiner (falls es sein richtiger Name ist), hat darauf geantwortet, dass er überrascht ist, seine Aussage in der Kolumne zu lesen. Und ja, er steht dazu. “Ja, ich sitze in diesem Zug sicherlich nicht für irgendjemand anderes. Insbesondere nicht für einen Idioten, der meint, unbeteiligte Dritte nochmal extra davon überzeugen zu müssen, dass er im Leben versagt hat.”
Wie arm, kann ich nur sagen. 
Ich habe mich immer wieder gefragt, warum die überhaupt seine Kolumnen lesen, wenn sie ihn nicht ausstehen können. 
Ihr merkt schon, ich reg mich auf. Ich habe auch lange überlegt, ob ich das überhaupt in die Rezension reinschreiben soll, da solche Leute, meiner Ansicht nach, keine Reaktion verdienen. Aber es hat eben einen nicht geringen Teil des Buches ausgemacht und meiner Stimmung, die ich mit dem Buch verbinde. 
Sternchen zu vergeben fällt mir in diesem Falle schwer. 
Die Kolumnen selbst sind eine gute 4. 
Aber die Kommentare darunter….. 
🍓
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