[Rezension] Sami und der Wunsch nach Freiheit

[Rezension] Sami und der Wunsch nach Freiheit

22. November 2017 9 Von Petrissa
Sami und der Wunsch nach Freiheit
Autor: Rafik Schami
Verlag: Beltz & Gelberg (14.09.17) *
ISBN-10: 3407823193
Seiten: 320
Alter: 14 – 17 Jahre

 

Rafik Schami, Syrer, lebt seit den 70ziger Jahren im Exil in Deutschland.
Er schreibt großartige Bücher über Damaskus, über Freundschaft und Liebe.
Vor 4 Jahren lernt Rafik Schami den ~20 jährigen Scharif kennen. Scharif, aufgewachsen in Damaskus, musste aus seiner Heimat fliehen, weil er damals die Anfänge des Aufstandes journalistisch beigeleitet hat.
Scharif erzählt Rafik Schami die Geschichte seines besten Freundes Sami und somit auch seine eigene Geschichte. Er erzählt von den Misshandlungen in der Schule, vom syrischen Geheimdienst, die immer wieder unschuldige Leute foltern, um den anderen Bürgern Angst zu machen. Er erzählt von den Spitzeln, von Samis großer Liebe, die die beiden Jungen ist ein gefährliches Abenteuer stürzen ließ. Er erzählt von den Menschen in seiner Gasse daheim in Damaskus. Von der Brutalität der Diktatur und dem völligen ausgeliefert sein.
Und er erzählt, wie die Rebellion begann.
In der Nacht vom 16. 02. 2011 sprayten Grundschuldkinder ihre Verzweiflung und die ihrer Eltern an die Wand. All diese Kinder wurden festgenommen und schwer gefoltert.
Der Offizier sagte einer Mutter, sie solle ihr Kind vergessen und ein neues zeugen.

Eine Geschichte, wie es fast nur Araber erzählen können. Blumig ausgeschmückt, eine Geschichte in der Geschichte in der Geschichte.

Die Gewalt, die Scharif und seine Freunde erlebt haben, wird nicht aufdringlich erzählt, sondern leise und dadurch hat es mich viel mehr erschüttert.

Ja, wir wissen, dass Diktaturen furchtbar sind, aber wer macht sich schon Gedanken, was das im Einzelnen heißt?
Wie schrecklich, wenn der Staat alle Macht der Welt hat. Kinder, die in der Schule misshandelt werden! Und die Eltern können nichts dagegen tun, sonst werden sie sofort vom Geheimdienst abgeholt und gefoltert. Wenn man immer aufpassen muss, wann man wo was sagt. Wenn man sich nicht gegenüber Leuten wehren kann, die im 10. Grad mit dem Geheimdienstchef verwandt sind.
Was zum Teufel sind das für Menschen, die Kinder foltern!!! ???

“Der Diktator hat das Prinzip von den Ostblickländern gelernt, vor allem von der rumänischen Securitate und der Stasi in der ehemaligen DDR.”

Ich habe das absolute Verständnis, dass Menschen vor so einer Diktatur fliehen wollen.
Und das alles spielt zu einer Zeit, in der der Krieg noch nicht ausgebrochen war.
Es ist schon sehr unverständlich, dass vorallem die Menschen aus der ehemaligen DDR so sehr gegen Flüchtlinge hetzen, obwohl sie deren Situation eigentlich kennen sollten.
So wie auch in Rafik Schamis letztem Buch “Sophia oder der Anfang aller Geschichten” habe ich viel über das heutige Syrien gelernt.
Einziger Schwachpunkt war, dass ich länger gebraucht habe, um in die Geschichte reinzukommen. Es waren mir am Anfang etwas zu viel Geschichten in der Geschichte.
4,5 ♥
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