Ich lese was, was Du nicht liest!

Ich lese was, was Du nicht liest!

16. Juli 2018 17 Von Petrissa

Gisela von Giselas Lesehimmel und Anne von Lesen – Eine Leidenschaft fürs Leben haben sich eine neue Aktion ausgedacht. Sie wollen jede Woche ein Herzensbuch vorstellen. Was mir daran gut gefällt, dass ich einfach mal ältere Bücher vorstellen kann. Und das Buch, welches ich Euch heute vorstellen möchte, wurde 1994 von Marilyn French geschrieben.

Marilyn French wurde 1929 in New York geboren und war eine eine Literaturwissenschaftlerin, Autorin und Feministin. Sie ließ sich von Simone de Beauvoir beinflussen.

Vier Schwestern treffen sich im Haus ihres Vaters, der nach einem Schlaganfall im Krankenhaus liegt. Die Schwestern sind so verschieden, wie sie nur sein können.

„ Elizabeth, die älteste, arbeitet für die Regierung. Sie ist cool und beherrscht, von intellektueller Brillanz.

Mary, die zweitälteste, ist das genaue Gegenteil: warm, weich, ein Weibchen, wie es im Buche steht. Alex schließlich fühlt sich hingezogen zu allem Spirituellen. Und da ist Ronnie, der dunkelhaarige Bastard, die Lesbe – Frucht einer Beziehung des Vaters mit seiner mexikanischen Hausangestellten. Sie hasst ihre Schwester und sucht doch die Nähe.

Während die vier darauf warten, dass sich der Gesundheitszustand ihres Vaters bessert, brechen seit langem schwelende Konflikte zwischen ihnen auf. Bald jedoch kommt ans Licht, was sie trotz allem miteinander verbindet: ihr unversöhnlicher Hass auf den Vater, den sie geliebt und gefürchtet haben, […]“


Ich habe die letzten zweieinhalb Sätze des inneren Klappentextes weggelassen, denn ich finde, sie verraten zu viel. Es ist bei dem Buch wahrlich schwer zu erklären, was ich damals so toll fand und gleichzeitig nicht zu Spoilern.


Es ist nun über 20 Jahre her, dass ich das Buch gelesen habe und kein Buch davor und danach fand ich so außergewöhnlich! Außergewöhnlich in der Lösung des Problems.


Es ist ergreifend, wie die jahrelang angestaute Wut der Schwestern sich in so was wie Freundschaft verwandelt. Das was zu der Verwandlung führt, ist schmerzhaft und heftig.


“Er war ein Upton, für einen Upton zählt nur das eigene Blut. Nur das Blut und die Erhaltung des Namens. Seit Generationen. Stephen Upton: Der Name ging vom Vater auf den Sohn über. Es gab keine Söhne.”

Und in alle diesem Schmerz, den die Schwestern nun miteinander teilen können, entsteht die Idee, die ich so außergewöhnlich finde. Ein sehr berührendes Buch!

Leider gibt es das Buch nur noch gebraucht zu kaufen, was ich wunderlich finde. (Aber heute ist es zum Glück leichter als je zuvor, ein gebrauchtes Buch zu kaufen. )

Ich möchte noch eine Triggerwarnung aussprechen. Und das sollten wirklich nur die Leute lesen, die Probleme haben, Bücher mit bestimmter Thematik zu lesen. Es ist schon ein dicker Spoiler und ich werde auch den Satz aus dem Klappentext beenden, den ich oben abgebrochen habe.

-> Es geht in dem Buch viel um sexuellen Missbrauch. Falls Du selbst davon betroffen warst und so Bücher eigentlich nicht liest, überlege es Dir trotzdem. Denn es hat ein überraschend anderes Ende.

“Als er endlich das Bewusstsein wiedererlangte, holten sie ihn, den Pflegefall, nach Hause. Und hier machten sie ihm den Prozeß – unerbitterlich und nur der Wahrheit verpflichtet.”

Ich hoffe, ich habe Euch neugierig gemacht. Für mich ist es auf jeden Fall ein Herzensbuch.
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