Adventsskalendertürchen Nr. 23

Adventsskalendertürchen Nr. 23

23. Dezember 2017 6 Von Petrissa
Christkind oder Weihnachtsmann –
das ist hier die Frage. 
Das Christkind soll Martin Luther erfunden haben, als Pendant zum Heiligen Bischof aus Myra –  dem Nikolaus, der den Kindern bis dahin am 06.12. Geschenke gebracht hat. 
Luther war gegen die Heiligenverehrung, wollte aber gerne den Brauch des Schenkens beibehalten. 
Doch das Christkind, die ursprünglich protestantische Erfindung, konnte
sich auf Dauer nur in den katholischen Regionen Deutschlands
durchsetzen.
Ob das Christkind nun das Jesuskind sein soll, einen Form- und Funktionswandel durchgemacht hat und nun als Mädchen in der Krippe liegt, da liest man ganz Unterschiedliches dazu. 
Der (deutsche) Weihnachtsmann ist scheinbar der meistverbreitete Gabenbringer. In der Gestalt ähnelt er dem Nikolaus und wird wie dieser, durch Androhung von Geschenkeenzug, zum “pädagogischen” Zweck missbraucht.
Der deutsche Weihnachtsmann ist zugleich eng verwachsen mit Santa Claus. Dieser wiederum geht auf
holländische und skandinavische Einflüsse zurück, was unter anderem den
Schlitten erklärt, der von Rentieren gezogen wird.  
Den Nikolaus-Brauch brachten niederländische Auswanderer in die USA, daher der Name Santa Claus. Seine charakteristische rot-weiße Kleidung geht auf eine erfolgreiche
Werbekampagne von Coca-Cola vom Beginn der 1930er Jahre zurück.
Der heutige Mythos des Weihnachtsmannes, der mit den Rentieren über die Dächer fliegt und Geschenke verteilt, soll auf das anonym veröffentlichte Gedicht “The Night before Christmas” zurückgehen, aus dem Jahre 1823.
Eine deutsche Übersetzung von Erich Kästner:
The Night before Christmas 

In der Nacht vor dem Christfest, da regte im Haus
sich niemand und nichts, nicht mal eine Maus.
Die Strümpfe, die hingen paarweis am Kamin
und warteten drauf, daß Sankt Niklas erschien.

Die Kinder lagen gekuschelt im Bett
und träumten vom Apfel- und Nüsseballett.
Die Mutter schlief tief, und auch ich schlief brav,
wie die Murmeltiere im Winterschlaf,
als draußen vorm Hause ein Lärm losbrach,
daß ich aufsprang und dachte: Siehst rasch einmal nach!

Ich rannte zum Fenster, und fast noch im Lauf
stieß ich die knarrenden Läden auf.
Es hatte geschneit, und der Mondschein lag
so silbern auf allem, als sei’s heller Tag.

Acht winzige Rentierchen kamen gerannt,
vor einen ganz, ganz kleinen Schlitten gespannt!
Auf dem Bock saß ein Kutscher, so alt und so klein,
daß ich wußte, das kann nur der Nikolaus sein!

Die Rentiere kamen daher wie der Wind,
und der Alte, der pfiff, und er rief: “Geschwind!
Renn, Renner! Tanz, Tänzer! Flieg, fliegende Hitz’!
Hui, Sternschnupp’! Hui, Liebling! Hui, Donner und Blitz!
Die Veranda hinauf, und die Hauswand hinan!
Immer fort mit euch! Fort mit euch! Hui, mein Gespann!”

Wie das Laub, das der Herbststurm die Straßen lang fegt
und, steht was im Weg, in den Himmel hoch trägt,
so trug es den Schlitten auf unser Haus
samt dem Spielzeug und samt dem Sankt Nikolaus!

Kaum war das geschehen, vernahm ich schon schwach
das Stampfen der zierlichen Hufe vom Dach.
Dann wollt’ ich die Fensterläden zuzieh’n,
da plumpste der Nikolaus in den Kamin!

Sein Rock war aus Pelzwerk, vom Kopf bis zum Fuß.
Jetzt klebte er freilich voll Asche und Ruß.
Sein Bündel trug Nikolaus huckepack,
so wie die Hausierer bei uns ihren Sack.

Zwei Grübchen, wie lustig! Wie blitzte sein Blick!
Die Bäckchen zartrosa, die Nas’ rot und dick!
Der Bart war schneeweiß, und der drollige Mund
sah aus wie gemalt, so klein und halbrund.

Im Munde, da qualmte ein Pfeifenkopf,
und der Rauch, der umwand wie ein Kranz seinen Schopf.
Ich lachte hell, wie er so vor mir stand,
ein rundlicher Zwerg aus dem Elfenland.

Er schaute mich an und schnitt ein Gesicht,
als wollte er sagen: “Nun, fürchte dich nicht!”
Das Spielzeug stopfte er, eifrig und stumm,
in die Strümpfe, war fertig, drehte sich um,
hob den Finger zur Nase, nickte mir zu,
kroch in den Kamin und war fort im Nu!

In den Schlitten sprang er und pfiff dem Gespann,
da flogen sie schon über Tal und Tann.
Doch ich hört’ ihn noch rufen, von fern klang es sacht:
“Frohe Weihnachten allen, und allen gut’ Nacht!”

Wer kommt zu Euch? 
Das Christkind oder der Weihnachtsmann?
Ich wünsche Euch von Herzen
fröhliche und friedliche Weihnachten!   
(Alle Bilder sind von pixabbay.de) 
 
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