Rezension: Couchsurfing in China |Stephan Orth

Rezension: Couchsurfing in China |Stephan Orth

30. Juni 2019 5 Von Petrissa

Couchsurfing in China

Ich bin ein Fan von Stephan Orths Couchsurfing Bücher.

Dieses Mal reist er quer durch China. Dabei bekommt er Einblicke in den Überwachungsstaat, die eigentlich nicht für Ausländer bestimmt sind.

Schon im Vorfeld wird er genau befragt, wohin er will, warum er überhaupt China bereisen will und ob er denn beabsichtigt, auch ein Buch über diese Reise zu schreiben.

„Nein, natürlich nicht!“ Orth war klar, sie hätten ihn sonst nicht ins Land gelassen und nach dem Buch wird er auch nicht mehr nach China können.

 

Ich gebe zu, ich weiß nicht so viel über China und daher war ich wirklich schockiert, wie sehr die Chinesen überwacht werden. Wäre es ein Roman, würden wir es als Dystopie bezeichnen.

Sesam öffne dich

Die größte IT Firma Chinas, Alibaba, stellt eine „Sesam öffne dich“- App zu Verfügung. Hier kann man „Sesame Credits“ sammeln. Bezahlt meine seine Miete pünktlich, meldet ein Verbrechen und benimmt sich „gut“, bekommt man Credits.

Die Teilnahme ist freiwillig. Doch macht man mit, kann man ohne weiteres einen kleinen Kredit bekommen oder wird sogar beim Arzt schneller behandelt. Die Liste der Vorteile ist lang.

 

Geht man dagegen bei Rot über die Ampel oder guckt Pornos, bekommt man Credits abgezogen. Das führt dazu, dass man mehr für Versicherungen bezahlen muss oder im Extremfall nicht mehr mit der Bahn fahren darf.

 

Und natürlich haben auch staatliche Behörden Zugriff auf all diese Daten.

In einigen Politversuchen wird sogar die politische Meinung mit einbezogen.

„Es geht darum, was du online gepostet hast oder was deine Freunde gesagt haben“,sagt Simone. „Wenn du verheiratet bist, giltst du als relativ >stabil<. Mit Kindern noch mehr. Wenn ein Freund hingegen bei Weibo die Regierung kritisiert hat, wird das in Zukunft auch meine Punktzahl beeinflussen. Schon verrückt, dass es bei solchen Aussichten keinen internationalen Aufschrei gibt, oder? Prost.“

Die Dystopie ist schon Realität

Überall hängen Kameras. In manchen Gassen wird man standardmäßig als Fußgänger geblitzt.

Ebenso Autofahrer.

Es dient vermutlich der Gesichtskontrolle und auch um zu kontrollieren, wohin man unterwegs ist.

Zwischen zwei Fußgängerampeln hing z.B. ein Bildschirm, auf dem zu Lesen war: „Wir können Ihr Gesicht erkennen. Intelligente Kameras machen ein Foto, wenn Sie über Rot gehen. […] Wir haben Ihre Daten. Wir wissen, wie oft Sie das Gesetz gebrochen haben.“

200 Millionen hochauflösender Kameras sind im Einsatz. 2020 sollen es 626 Millionen Kameras sein.

 

In puncto Pressefreiheit liegt China im Übrigen auf Platz 176 von 180 Ländern. 30 Plätze hinter Russland, 20 Plätze hinter der Türkei.

Land und Leute

Orth trifft jede Menge Leute, mit denen er respektvoll und offen umgeht. Er erlebt, wie an der Grenze zu Nordkorea ein Tourismus entsteht und erfährt, wie Nordkoreaner in China ausgebeutet werden. Er lernt Chinas Gegensätze kennen.

Sehr geschockt hat mich auch Chinas Umgang mit den Uiguren, einer muslimischen Minderheit. Diese werden in Umerziehungslager gesteckt und manche verschwinden für immer.

Ebenso macht Orth unterschiedliche Grenzerfahrungen.

„Meine Eltern freuen sich schon sehr“, sagt er. „Sie haben extra den Hund für dich geschlachtet.“

Hörbuch:

Steffen Groth liest das Buch und das fand ich leider nicht ganz so gelungen. Ich bin mit seiner Stimme nicht ganz so warm geworden.

Es war auch schwierig bestimmte Aufzählungen, wie die Einwohnerzahlen der Städte, genau wahrzunehmen.

Fazit:

Ein sehr aufschlussreiches Buch über einen Staat, wie wir ihn uns in Europa kaum vorstellen können.

Für den Inhalt des Buches vergebe ich 5 ♥ ♥ ♥ ♥ ♥.

Für das Hörbuch an sich 4 ♥ ♥ ♥ ♥.

Couchsurfing in China

Autor: Stephan Orth

Sprecher: Steffen Groth

Verlag: Der Hörverlag (April.’19)

ASIN: B07Q2VCVBK

Dauer: 7 Std., 55 Minuten

Ich danke dem Verlag herzlich für dieses Rezensionsexemplar.

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