Rezension: Das Alphabet des Herzens |James R. Doty

Rezension: Das Alphabet des Herzens |James R. Doty

26. August 2019 2 Von Petrissa

Die wahre Geschichte über einen, der sein Herz verlor und sich selbst fand.

James Doty ist Neurochirurg und erzählt die Geschichte eines außergewöhnlichen Lebens. Seines Lebens.

Er wuchs in armen und schwierigen Verhältnissen auf. Seine depressive Mutter versucht sich immer wieder das Leben zu nehmen. Sein Vater ist Alkoholiker und oft tagelang weg. James Doty muss ihn dann suchen gehen und aus den Kneipen holen.


Sein älterer Bruder lebt völlig in sich zurück gezogen und James Doty muss schon in frühen Jahren die Familie zusammen halten.


Dann lernt er mit 12 Jahren die sehr viel ältere Ruth kennen. Sie lehrt ihn die Achtsamkeit kennen und bringt ihm Meditation bei. Dies verändert sein Leben komplett.

Meine Meinung:

Die Geschichte von James Doty ist überaus erstaunlich. Manchmal schon fast zu erstaunlich, so dass ich mich immer wieder fragte, ob sie wirklich autobiografisch ist.

Denn welcher Teenager setzt sich morgens und abends hin und meditiert eine halbe Stunde? Aber James Doty hat es getan! Und aus diesem vernachlässigtem Jungen, der keinen Sinn in der Schule sah, wurde ein Arzt, ein Neurochirurg!

 

Wie ist das zu erklären? Tatsächlich durch Meditation.

Zur Zeit, als ich aufs College kam, hatte sich mein Gehirn bereits grundlegend verändert, und wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass fokussierte Meditation, wie ich sie von Ruth lernte, die Fähigkeit steigert, sich zu konzentrieren, auswendig zu lernen und komplexe Zusammenhänge zu begreifen. [….]

Verändert sich unser Gehirn, verändern wir uns mit ihm. Das ist eine wissenschaftlich belegte Wahrheit.

Diese vier Methoden lernt James Doty von Ruth und praktiziert sie jeden Tag.

Entspanne deinen Körper

Zähme deinen Geist

Öffne dein Herz

Formuliere eine klare Absicht

Die Art, wie dem Leser, der Leserin die Praxis der Meditation und Achtsamkeit nahe gebracht wird, hat mir ausgesprochen gut gefallen. Es war leicht, sich in die Übungen hinein zu versetzen. Dazu schafft James Doty es, auf fast spielerische Art das ganze neurobiologisch zu untermauern.

 

Amerikanische Selbsthilfebücher haben oft die Eigenschaft, dass der Autor, die Autorin viel, sehr viel von ihrem eigenem Leid in das Buch fließen lässt. Ich mag das überhaupt nicht.

„Das Alphabet des Herzens“ unterscheidet sich davon, dass man von vorneherein weiß, es ist autobiografisch. Aber es unterscheidet sich auch darin, dass ich kein einziges Mal das Gefühl hatte, James Doty will Mitleid erhaschen. Das hat mich positiv sehr überrascht. Er schildert sein Leid sehr sachlich und lässt eigene Fehler nicht aus.

Das Alphabet des Herzens

James Doty hat mit Hilfe einer Mnemotechnik die Punkte aufgeschrieben, die einem dabei helfen, sein eigenes Herz zu öffnen.

C – Compassion (Mitgefühl)

D – Dignity (Würde)

E – Equanimity (Gleichmut)

F – Forgiveness (Vergebung)

G – Gratitude (Dankbarkeit)

H – Humility (Bescheidenheit)

I – Integrity (Integrität)

J – Justice (Gerechtigkeit)

K – Kindness (Güte)

L – Love (Liebe )

Kritik:

Was mich gestört hat war, dass es mir an einigen Stellen zu esoterisch wurde. Also ich glaube nicht daran, dass einen gerade verstorbene Personen erscheinen können.

 

Oder ein Punkt, der mir noch wichtiger ist:

Ruth bringt ihm bei, fest an ein Ziel zu glauben (z.B. Arzt zu werden). Das hat nichts mit Wünsche ans Universum zu tun. Wenn man sich einen Wunsch immer wieder imaginiert, glaubt das Gehirn es. Denn das Gehirn kann nicht zwischen einer Imagination und der Realität unterscheiden. Das ist eine gängige Methode im Leistungssport.

So blockiert das Gehirn den Mensch nicht, in dem es ihm einflüstert, man sei zu dumm, um Arzt zu werden. Die Leistung muss man natürlich selber erbringen, die fällt nicht vom Himmel. Aber ganz nach der selbsterfüllenden Prophezeiung wird es auf diese Art viel leichter.

Da gibt es eine Situation, wo James Doty sich einen Platz an einer bestimmten Universität wünscht. Doch alle Plätze sind besetzt. Im letzten Moment sagt aber ein Kandidat ab und James Doty bekommt den Platz. Nun fragt er sich, ob es damit zu tun hat, dass er sich diesen Wunsch so fest imaginiert hat.

Das hat mich echt geärgert. Er als Arzt müsste das doch besser wissen. Es ist genau diese Vermischung von Esoterik (Wünsche ans Universum), die diesen wissenschaftlichen Methoden schadet.

 

Alles in allem sind es aber keine 5 Situationen, in denen es (meiner Ansicht nach) esoterisch wurde. Daher konnte ich dann auch gut drüber wegsehen.

Fazit:

Ein spannendes Buch, das auf ansprechende Art in die Achtsamkeit und Meditation einführt. Ich denke, das Buch ist besonders auch für jene geeignet, die keine Sachbücher lesen.

 

Auf jeden Fall ist James Doty ein sehr interessanter Mann mit einem außergewöhnlichem Lebenslauf.

 

4,5 ♥ ♥ ♥ ♥

Ich danke dem Verlag herzlich für dieses Rezensionsexemplar.

Das Alphabet des Herzens

Die wahre Geschichte über einen, der sein Herz verlor

und sich selbst fand.

Autor: Jamey R. Doty

Verlag: Knaur MensSana TB (Juli.2019)

ISBN-10: 3426878445

Seiten: 272


Weitere Rezensionen:


5* Datenstrand

4* Sommerlese



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