Rezension: Das Labyrinth des Fauns| C. Funke| G. del Toro

Rezension: Das Labyrinth des Fauns| C. Funke| G. del Toro

29. Juli 2019 13 Von Petrissa

Spanien, 1944.

Die ~13 jährige Ofelia reist mit ihrer hochschwangeren Mutter zu ihrem neuen Stiefvater Vidal. Capitán Vidal, Offizier der Franko-Armee kämpft in einer abgelegenen Gegend gegen die Widerstandskämpfer. Er ist ein brutaler Mann, der Spaß am Foltern hat.

 

Ofelia betrauert noch den Tod ihres Vaters, als sie eine Fee und den Faun trifft. Es wird ihr gesagt, sie sei die vermisste Prinzessin einer anderen Welt. Drei Aufgaben bekommt sie gestellt und wenn sie diese meistert, darf sie in ihre Welt zurück.

Ob diese Fantasie Realität ist oder Ofelia es sich ausdenkt, um den grausamen Realität zu entkommen, bleibt offen.

 

Nun hofft man, diese Fantasywelt ist schön und tröstlich, doch weit gefehlt. Sie ist nicht viel weniger grausam, als die Herrschaft ihres brutalen Stiefvaters.

 

Ofelias Mutter ist eine schwache Person, die sich nur in die Arme des neuen Mannes gestürzt hat, um nicht alleine zurecht kommen zu müssen. Ofelias Bitten, von diesem Ort weg zu gehen, ignoriert die Mutter.

 

So weit, so gut.

Wäre es mir als Erwachsenen-Roman über die Franco-Herrschaft verkauft worden – in Ordnung.

Doch als „märchenhaftes“ Jugendbuch ab 14 Jahren?!? Ich bin entsetzt und empört. Es macht mich wirklich wütend.

Im Folgenden kommt es zu Spoiler bezüglich den Gewaltdarstellungen im Roman.

Vidal: Schon gleich am Anfang kommt eine Szene, in der er eine kaputte Flasche, mit der Spitze nach vorne versteht sich, in das Gesicht eines Wilderer rammt, weil dieser aus Hunger und für seine Familie einen dürren Hasen gefangen hat. Doch diese Szene ist noch harmlos.

 

Im Verlauf der Geschichte fangen sie einen Widerstandskämpfer und es wird detailliert erzählt, wie Vidal ihn foltern will. Vor allem wird berichtet, wie sehr Vidal das Ganze genießt und es ihm Spaß macht!! Wie er genüsslich seine Folterinstrumente auspackt, alles aufzählt und die Angst des Opfers in allen Zügen auskostet.

Es war absolut widerwärtig.

 

Nun kann man sagen, ja so war der Krieg eben. Ja. So war er. Aber das hier ist ein Jugendbuch!!!

Die Fantasywelt:

Bei ihrer zweiten Aufgabe begegnet Ofelia einem Kinderfresser!

 

„Einige Bilder zeigten Kinder, die mit erhobenen Armen um Gnade flehten. Auf anderen durchbohrte das Monster sie mit Messern und Schwertern, riss ihnen Arme und Beine ab oder stillte seinen unersättlichen Hunger mit ihrem Fleisch. Die Szenen waren so lebendig gemalt, dass Ofelia glaubte, die Opfer schreien zu hören. Zu viel. Doch als sie den Blick senkte, um den verstörenden Bildern zu entkommen, sah sie, dass sich an den Wänden hunderte von kleinen Schuhen türmten. Ofelia konnte sich kaum dazu bringen, der Wahrheit ins Auge zu blicken, doch sie sah sie überall in dem rot-goldenem Raum. Der bleiche Mann war ein Kinderfresser.„

 

„Der Kinderfresser griff mit seinen blutverschmierten Fingern nach den Feen. Zu erst gelang es ihnen zu entkommen, doch der bleiche Mann war ein erfahrener Jäger. […] Und Ofelia musste mit ansehen, wie er sich eine der Feen zwischen die zahnlosen Kiefer stopfte. Er riss ihr so mühelos den Kopf ab, als würde er eine Blühte von ihrem Stil zupfen und ihr Blut lief sein blasses Kinn hinab. […] Und der bleiche Mann leckte sich ihr Blut von den Fingern, als Ofelia sich endlich aus ihrer Erstarrung befreien konnte.“

Hoffnung:

Hoffnung ist für mich ein wichtiger Aspekt eines guten Kinder- und Jugendbuches. Kinder- und Jugendliche halten so einiges an Grausamkeit aus, wenn es Hoffnung gibt.

Doch in dieser Geschichte gibt es keine Hoffnung. Die Realität ist grausam und die Fantasywelt auch.

Sprache:

Ja, die Sprache ist gut. Schreiben kann Frau Funke. Und dies ist der einzige Grund, warum ich dem Buch 2 Sterne gebe und nicht 1.

Fazit:

Nur weil Cornelia Funke drauf steht, ist noch lange keine Cornelia Funke drin.

Ich finde es fahrlässig, dass dieses Buch ab 14 Jahren freigegeben ist!

Durch den Namen Funke und der märchenhaften Aufmachung und Ankündigung denkt man an ein schönes Märchen in einer schlimmen Welt. Doch man bekommt hier weder Funke noch ein schönes Märchen.


2 ♥ ♥

Das Labyrinth des Fauns

Cornelia Funke, Guillermo del Toro

Fischer Verlag

320 Seiten

ISBN 978-3-7373-5666-4

 

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