Rezension: Der junge Falke | Sabine Ebert

Rezension: Der junge Falke | Sabine Ebert

23. Juli 2019 5 Von Petrissa

Der Barbarossa - Epos: Schwert und Krone (2)

Rezension zu Band 1

Inhalt:

Wie schreiben das Jahr 1147.

 

Der Papst fordert König Konrad zu einem Kreuzzug ins Heilige Land auf. Die Muslime haben die Grafschaft Edessa (heutige Türkei) eingenommen.

 

Der Markgraf Konrad von Wittin kommt gerade von einem Pilgerzug aus dem Heiligen Land zurück und will keinesfalls noch einmal dahin. Er weiß, was die anderen dort schlimmes erwarten wird. Um sich dem Befehl entziehen zu können, schmiedet er den Plan, mit den östlichen Fürsten gegen die slawischen Wenden auf Kreuzzug zu gehen. Die müssen schließlich auch bekehrt werden.

 

Der junge Falke Friedrich verspricht seinem Vater auf dem Sterbebett Adela von Vohburg zu heiraten. Doch das tut er nur sehr unwillig. Er hatte auf eine Prinzessin gehofft und nun bekommt er die Gräfin des Egerlandes, wo alles nur Sumpfgebiet ist.

 

Auch Dietrich, der Meißner Markgrafensohn, wird unglücklich verheiratet, mit einer polnischen „Eisprinzessin“, wie sie sie alle nennen.

 

Nun, fast alle Männer ziehen in den Krieg und die Frauen müssen daheim mit Hungersnöten, Missernten und Angriffen fertig werden.

Reflexion:

Großartig! Ich habe ja inzwischen auch schon Band drei gelesen und alle drei Bände sind brilliant, aber das hier hat mir am besten gefallen, mich am meisten bewegt. Gerade das Schicksal der Frauen, aber auch das Verhalten der Kirche.

Die Szene, die mich am meisten betroffen gemacht und schockiert hat, in ihr ging es um eine 12 jährige, hochschwanger. Es war eindeutig, dass sie das Kind nicht gebären konnte, da sie noch viel zu schmal war. Die Hebamme sagte, wären sie in irgendeiner Hütte, könnte sie die Mutter retten, in dem sie das Kind im Mutterleib zerschneidet und die Gliedmaße einzeln raushole. Doch da sich alles auf einer Burg zutrug und die Priester ein Auge darauf hatten, konnte sie nichts tun. Natürlich auch nicht der 12 jährigen zu einem schmerzfreiem Tod verhelfen.

Doch diese Geburt würde die Mutter (das Mädchen!!) wörtlich zerreißen und töten. Das war den Priestern egal, weil der Säugling muss getauft werden, um nicht im ewigen Höllenfeuer zu landen.

Als der Säugling geboren war, schon ganz blau im Gesicht weil ihm die Luft fehlte, wollte die Hebamme ihn beatmen. Doch der Priester nahm ihr das Baby ab, um es zu taufen. Das hatte Vorrang. Dass es kurz drauf tot war, schien den Priester nicht weiter zu belasten. Denn das Baby war ja nun getauft.

Ich bin immer noch fassungslos darüber.
So wohl darüber, 12 jährige zu schwängern, als auch und vor allem über den Umgang der Kirche damit. Es sollte mich vielleicht nicht erstaunen, ist doch auch heute der Säugling der Kirche wichtiger als die Frau und doch entsetzt es mich und macht mich richtig wütend.

Und diese Kreuzzüge….  
Ich denke, es entsetzt mich so, weil vieles heute nicht anders ist. Wer nicht so glaubt, wie es die Kirche sagt, wird nicht in den „Himmel“ kommen.
An einer wirklichen Aufklärung der Missbrauchsfälle ist sie auch nicht interessiert.
Es macht mich wütend, dass „normale Sterbliche“ sich anmaßen, darüber zu entscheiden, wie jemand zu leben hat.

Es tut mir leid, dass ich so abschweife. Aber das Buch hat so viel in mir ausgelöst.

historisch verbürgt

Ich habe eine neue Redewendung von Monis Zeitreisen gelernt: „Historisch verbürgt“.

Fast alle Personen in der Barbarossa Saga von Sabine Ebert sind historisch verbürgt. Erst als Moni das so benannte, wurde mir klar, was mich an diesen Büchern so fasziniert. So viele Personen und alle gab es wirklich! Eine Geschichtsstunde der ganz besonderen Art!

 

Trotz der vielen Figuren hatte ich nicht das Gefühl, dass sie mir fremd blieben.

Besonders ans Herz gewachsen ist mir Kunigunde Gräfin von Plötzkau. Eine so tapfere junge Frau! Natürlich ist von den Frauen damals viel weniger durch Niederschriften bekannt, doch Sabine Ebert gelingt es ausgezeichnet, ihnen Leben einzuhauchen und auch die Stärke, die sie gehabt haben müssen, wenn sie sich als neue Gräfin gegen alte, verbiesterte Weiber auf der Burg durchsetzen mussten.

Auch Dietrich von Meißen habe ich lieb gewonnen. Ein Mann, fast zu gut für diese Welt im Mittelalter.

 

Den späteren Kaiser Friedrich lernt man auch besser kennen. Und er wurde mir zunehmend unsympathischer. Schein er nach außen ein guter und intelligenter Ritter zu sein, merkt man im Privaten doch seine harsche und arrogante Seite.

 

Fazit:

Ich würde am liebsten noch viel mehr schreiben, denn noch viel mehr hat mich bewegt. Aber was soll ich sagen: Lest es am besten selber!

Von ganzen Herzen 5 ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ für dieses wundervolle Buch!

Der junge Falke

Der Barbarossa-Epos: Schwert und Krone (2)

Autorin: Sabine Ebert

Verlag: Knaur (Nov.’17)

ISBN-10: 342665413X

Seiten: 640

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