Gefangene der Zeit| Christopher Clark

Gefangene der Zeit| Christopher Clark

10. Februar 2021 2 Von Petrissa

Geschichte und Zeitlichkeit von Nebukadnezar bis Donald Trump

Was hat Geschichte mit der Gegenwart zu tun? Alles! Wir sind, was wir waren.

Um genauer zu sein, wir sind, was unsere Vorfahren waren und getan haben.

Genau diese Zusammenhänge beschreibt und erklärt Christopher Clark.

Er schreibt über Macht, im Laufe der Jahrhunderte. Warum Juden schon seit jeher ausgrenzt und angefeindet wurden. Über Bismarkt und den letzten deutschen Kaiser bis hin zu den unsicheren Zeiten, in denen wir heute leben (vor Covid-19).

Meine Meinung:

Ich lese oft und gerne Sachbücher. Und ich habe mich total auf dieses Buch gefreut. Aber ich fand es richtig schwer zu lesen. Wie ein langer, akademischer Vortrag.

 

Das Buch besteht aus lauter verschiedenen Essays und Vorträgen, die Clark für ein Fachpublikum geschrieben hat. Es hat mich nicht gestört, dass jedes Kapitel ein für sich stehender Text ist. Es hat mich frustriert, dass Clark die Texte nicht besser für Laien aufgearbeitet hat. Den im Vorwort schreibt er, dass er den ersten Lockdown dazu genutzt hat, dieses Buch zu schreiben.

Ein Beispiel für den Schreibstil:

„Es handelte sich um ein aus dem Zusammenhang gerissenes, säkularisiertes Fragment der christlichen Zeitlichkeit, das in der Sprache Hitlers eben deshalb wieder auftauchen konnte, weil es seinem Inhalt nach nicht länger als konfessionell erkennbar war. Eine Säkularisierung in diesem Kontext bedeutet nicht etwa die völlige Abschaffung jeglichen von der Religion entlehnten Inhalts, sondern die Umorientierung der transzendenten Eschatologie hin zu dieser Welt. Und im Zentrum dieser Umorientierung stand eine Logik der Supersession, also der Ablösung der einen Endzeit durch eine andere.“ (S.80)

Spannende Inhalte

Kämpft man sich durch diese Fachtermini, ist der Inhalt durchaus sehr interessant.

So gab es z.B. Anfang des 18. Jahrhunderts ein Institut, in denen junge, arbeitslose Theologen (von denen es viele gab), lernen konnten, wie man Juden missioniert. Man glaubte, der Grund allen Übels, welche die Christen plagte, läge darin, dass die Juden nicht konvertierten.

„Spener [einer der Gründerväter des deutschen Pietismus] rückte die Mission Israels fast schon ins Zentrum der protestantischen Beziehung zu Gott. Die Mission sei dringend, weil die Ehre Gottes auf dem Spiel stehe.“ [S.64]

Luther ging sogar soweit zu sagen, dass die Christen das auserwählte Volk seien, was bedeutete, dass „die Juden an den Rand gedrängt, diskreditiert und womöglich beseitigt werden“ müssen. Luther verfasste harsche Polemiken, in denen er erklärte, dass die Juden gar keine Juden mehr seien, sondern lediglich götzendienerische Anbeter des Talmud. Er forderte die Zerstörung der Synagogen und der jüdischen heiligen Schrift.

Man begreift, wie dieser und anderer Populismus sich tief in das christliche Unterbewusstsein über Jahrhunderte einprägt. Bis wie bei Hitler nur noch der Antisemitismus herrscht, ganz ohne christliche Absicht.

Ihr seht, es ist ausgesprochen interessant. So etwas bekommt man normal nicht zu lesen. Und die anderen Essays standen dem Artikel in nichts nach. Um so frustrierender, wenn man sich mühevoll durcharbeiten muss.

Fazit:

So interessant die Inhalte sind, so mühevoll ist es, das Buch zu lesen. Das ist wirklich ausgesprochen schade.

Ich habe lange mit mir gerungen, ob ich dem Buch 3 oder 4 Sterne gebe. Aber wenn es solche Mühe bereitet, sich durch den Text zu arbeiten, dann macht es keinen Spaß. Egal wie spannend der Inhalt ist.

 

3 ♥ ♥ ♥

Ich danke dem Verlag herzlich für dieses Rezensionsexemplar.

Gefangene der Zeit:

Geschichte und Zeitlichkeit von Nebukadnezar bis Donald Trump

Autor: Christopher Clark

Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt; (16. 11. 20)

ISBN-13 : 978-3421048318

Seiten: 336


Weitere Rezensionen:

– folgt –



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