Rezension: Ich bin dann mal still |Horst Lichter

Rezension: Ich bin dann mal still |Horst Lichter

7. August 2021 11 Von Petrissa

Meine Suche nach der Ruhe in mir

Der Publikumsliebling, der nie um einen flotten Spruch verlegen ist, wagt das Abenteuer: schweigen, still sein, einmal nur für sich sein, hinter dicken Klostermauern. Er will den Stress hinter sich lassen und berichtet von der Zeit der Ruhe und was passiert, wenn man plötzlich alleine in seinem Kopf ist.

(Klappentext)

Meine Meinung:

Lichter denkt, er hat eine Woche im Schweigekloster gebucht, doch in Wirklichkeit hat er einen Zen-Kurs in einer Art Fortbildungsstätte gebucht, die scheinbar an ein ehemaliges Kloster angebaut ist. Von Mönchen jedenfalls weit und breit keine Spur. Geschwiegen wird, was Lichter nicht davon abhält zu versuchen, mit seinen Mitstreitern in Kontakt zu kommen und sich wundert, dass nun so gar niemand auf seine Kontaktversuche reagiert.


Das Ganze läuft ungünstig, denn Lichter hat von Zen keine Ahnung, niemand erklärt ihm etwas, was letztlich dazu führt, dass er sich über alles lustig macht. Aber wie er selber schreibt, er hätte ja auch einfach mal im Büro nachfragen können.

Stille? Fehlanzeige!

Die erste Hälfte ist zwar ganz lustig geschrieben, denn er redet, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Nur leider hat das a) nichts mit Stille zu tun, ganz im Gegenteil. Manchmal schwirrte mir der Kopf, wie Lichter so ohne Punkt und Komma seine Meinung kund tat. Und b) sind seine Äußerungen nicht gerade respektvoll gegenüber seinen Mitteilnehmern. Auch wenn er immer wieder betont, dass jeder nach seiner Fasson glücklich werde soll, ist er halt in einer Tour am Lästern. Ob das über „Meister Zen“ war oder „Gurkengretel“, die ihn nicht freundlich angelächelt hat, über die Art, wie andere geputzt haben oder bei der Geh-Meditation im Kreis gelaufen sind. Er selbst hat das Ganze nach einem halben Zen-Kurs abgebrochen und sich an nichts mehr beteiligt.

Er kommt zwar nach einer ganzen Weile dann doch noch auf die Idee, dass es beim Putzen während des Zen-Kurses um Achtsamkeit geht und nicht um Effizienz und Schnelligkeit, was ihn nicht hindert, zu schreiben, dass er am liebsten alle „zum Blumengrüßen und Kränzeflechten“ raus geschickt hätte.

Bares für Rares

Aber das eigentliche Ärgernis kommt noch. Nach der Hälfte des Buches hört er nämlich auf, über das „Kloster“ zu berichten. Ab da berichtet er über sein Leben und philosophiert ein wenig vor sich hin.

Als Erstes kommen zwei Kapitel über seine Sendung „Bares für Rares“. Um es in seinen Worten zu sagen: Kinders, das interessiert mich gar nicht!

Neue Gedanken kommen ihm beim Philosophieren nicht. Es sind die üblichen Sachen wie Social-Media, sich mit anderen zu vergleichen, Oberflächlichkeiten. Und ehrlich gesagt, finde ich seine Betrachtung auch oberflächlich. Es gibt eben nicht nur schwarz oder weiß.

„Die Anderen“ machen alles falsch, aber wenn sie damit glücklich sind, soll es ihm recht sein. In meinen Augen wirkt es nur nicht echt, wenn jemand ständig aufzählt, was alles falsch läuft und gleichzeitig aber sagt, jeder soll auf seine Art leben. Wenn ich das wirklich denke, dann muss ich doch nicht darüber echauffieren, was andere falsch machen. Was juckts mich dann, wenn jemand für die Fotos und Likes auf Instagram lebt?

50 Seiten vor Schluss habe ich abgebrochen. Es ist wirklich schade, denn seinen Schreibstil mochte ich. Es hatte nur nichts mit Stille zu tun und es ist kein leises Buch.

2 ♥ ♥

Ich bin dann mal still

Meine Suche nach der Ruhe in mir

Autor: Horst Lichter

Verlag: Knaur Balance (03.05.2021)

ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3426676042

Seiten: 208

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