Neuzugänge #WirLesenFrauen

Neuzugänge #WirLesenFrauen

27. März 2022 4 Von Petrissa

In der letzten Zeit sind ein paar feministische Bücher bei mir eingezogen.

"Was Männer nie gefragt werden - Ich frag trotzdem mal" von Fränzi Kühne

Aufsichtsrätin und Mutter Fränzi Kühne bietet eine überraschende und unterhaltsame Perspektive auf das, was in Sachen Gleichberechtigung immer noch falsch läuft.

»Herr Maas, Sie tragen meist Anzug und Krawatte – das ist Standard in der Politik, oder?« »Mussten Sie sich zwischen Kindern und Ihrem Start-up entscheiden, Herr Zeiler?« Warum klingen diese Fragen seltsam? Weil sie sonst nur Frauen gestellt werden.
Ich habe das am eigenen Leib erfahren, als ich jüngste Aufsichtsrätin Deutschlands wurde. Aber statt mich zu ärgern, habe ich mir einen Spaß gemacht und den Spieß einfach umgedreht: Jetzt stelle ich Männern all die Fragen, mit denen ich sonst konfrontiert werde. Das Ergebnis hat mich überrascht. Aber lesen Sie selbst…

»Fränzi hat mich eingeschüchtert, verunsichert und beleidigt. Bis ich verstanden habe, dass ihr exakt diese Fragen gestellt wurden. Unfassbar.«
Fynn Kliemann

Auf dieses Buch freue ich mich schon sehr. Ich habe schon ein bisschen reingelesen und es ist schon verrückt, was für Dinge (Fragen) wir als selbstverständlich hinnehmen und sie oft ihre Skurrilität erst dann offenbaren, wenn man sie bei Männern anwendet.

"FRAUEN LITERATUR: Abgewertet, vergessen, wiederentdeckt" von Nicole Seifert

Sollte das Geschlecht des Schreibenden eine Rolle spielen bei der Lektüreauswahl? Natürlich nicht, würden wohl die meisten sagen. Und doch werden literarische Werke von Frauen seltener verlegt, besprochen und mit Preisen versehen. Das muss ein Ende haben. Nicole Seifert liefert das Buch zur Debatte – klug, fundiert und inspirierend.

Banal, kitschig, trivial – drei Adjektive, mit denen das literarische Schaffen von Frauen seit Jahrhunderten abgewertet wird. Während Autoren tausende von Seiten mit Alltagsbeschreibungen füllen und dafür gefeiert werden, wird Schriftstellerinnen, die Ähnliches unternehmen, Befindlichkeitsprosa vorgeworfen. Nicole Seifert ist angetreten, die frauenfeindlichen Strukturen im Literaturbetrieb aufzuzeigen. Denn von vielen von Frauen verfassten Büchern hören wir erst gar nicht, weil Zeitungs-, Radio- und Fernsehredaktionen und noch davor Buchverlage eine entsprechende Vorauswahl treffen. Vom Deutschunterricht bis zum Germanistikstudium ist der Autorinnenanteil noch immer verschwindend gering, und so lernen wir von Anfang an: Was literarisch wertvoll ist, stammt von Männern. Nachdem Nicole Seifert drei Jahre lang ausschließlich Literatur von Frauen – Klassiker wie Zeitgenössisches, Bekanntes wie Unbekannteres – gelesen hat, ist klar: Die vielbeschworene »Qualität« ist nicht das Problem. Im Gegenteil: Wir verpassen das Beste, wenn wir in unseren Bücherregalen nicht endlich eine Frauenquote einführen.

Als vor ca. 3 Jahren der Hashtag “Wir Lesen Frauen” aufkam, war ich sehr skeptisch. Ich wähle doch meine Bücher nicht danach aus, ob sie ein Mann oder eine Frau geschrieben haben! Jemand sagte mir damals genau das, was im ersten Absatz steht. Autorinnen werden weniger verlegt, stehen weniger in der Aufmerksamkeit, wenn es nicht gerade die typischen “Frauenbücher” sind.

Ich habe dann immer mal wieder darauf geachtet und war erstaunt und betroffen, wie sehr das stimmt. Einmal hat ein bekannter Verlag in einem Halbjahr gar keine Autorinnen verlegt.

Sie hat Bock von Latja Lewina

Katja Lewina hat Bock, und sie schreibt darüber. Wäre sie ein Mann, wäre das keine Ding. So aber ist sie: »Schlampe«, »Nutte«, »Fotze«, »Hoe« … Lewina führt hier die Debatte über weibliches Begehren fort und erforscht entlang ihrer eigenen erotischen Biografie, wie viel Sexismus in unserem Sex steckt. Kindliche Masturbation, Gynäkolog:innenbesuche, Porno-Vorlieben oder Fake-Orgasmen: Kein Thema ist ihr zu intim. Und nichts davon so individuell, wie wir gern glauben.
Und so ist ›Sie hat Bock‹ mehr Empowerment als Anprangern, mehr Anleitung zur Potenz als Opferdenke. Denn nach der Wahrnehmung von Ungerechtigkeiten und Tabus ist es jetzt an der Zeit, den Weg zur Selbstermächtigung einzuschlagen – beim Sex und überall sonst.

Ich war mir nicht sicher, ob ich das Buch gut finden werde. Ich habe bisher fast die Hälfte gelesen und es ist so toll! Es ist richtig erfrischend zu lesen. Und nebenbei macht es sehr nachdenklich. Jeder kann z. B. einen Penis malen. Überall sieht man sie an die Wand geschmiert. Aber wer kann eine Vulva malen? Als in London das erste Vagina-Museum eröffnet wurde, war die Empörung groß. Wo kämen wir auch hin, wenn man überall weibliche Geschlechtsteile sehen müsste!

Erschreckend auch, wenn man sich die Pornoindustrie genauer anschaut. Hier ist die Frau nicht mehr als eine Fickmaschine. Besonders fatal, was da auch Jugendlichen vermittelt wird, die heute ihren ersten Porno schon mit 14 schauen.
Nun, ich werde das alles noch ausführlicher in meiner Rezension schreiben. Aber empfehlen kann ich das Buch jetzt schon. Das männliche Pendant zu dem Buch heißt übrigens “Bock – Männer und Sex”.

Werfen wie ein Mädchen. Ein Essay über weibliches Körperbewusstsein

         [Was bedeutet das alles?] (Reclams Universal-Bibliothek)

»Das ist zu gefährlich für dich! Mach dich nicht schmutzig!« Erziehungsgrundsätze wie diese sorgen dafür, dass Mädchen eine körperliche Zurückhaltung entwickeln. Doch warum werden Mädchen so häufig konditioniert, ihre Körper als derart zerbrechlich zu empfinden? Und wie wird Körperwahrnehmung gesellschaftlich konstruiert, und zwar auch jenseits der Sphäre der Erziehung? – Iris Marion Youngs Aufsatz gilt als Klassiker der feministischen Theorie. Die Politikwissenschaftlerin macht auf die empirischen Unterschiede männlichen und weiblichen Körperverhaltens aufmerksam und lenkt den Blick auf geschlechtsbedingte Ungerechtigkeiten, die noch heute der Überwindung harren.

Das Buch habe ich gekauft, weil der Titel “Werfen wie ein Mädchen” bei mir schon ganz viel ausgelöst hat. Ich musste sofort an den Schulsport denken und ich könnte mir vorstellen, dass die meisten von Euch ebenfalls nicht gerne daran zurückdenken.
Obwohl ich als Kind Handball gespielt habe und auf jeden Baum geklettert bin, hatte ich immer das Gefühl, “ich werfe ja nur wie ein Mädchen”. Oder anders ausgedrückt, ich bin nie so gut wie die Jungs. Ich bin gespannt auf das Buch.

Kennt Ihr eines der Bücher oder habe Ihr sogar eine Empfehlung für ein Buch, dass in diese Richtung geht? Und interessieren würde mich ja auch, ob Euch etwas von dem, was ich geschrieben habe, bekannt vorkommt?

Liebe Grüße

Petrissa

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