Rezension: Chatter – Die Stimme in deinem Kopf von Ethan Kross

Rezension: Chatter – Die Stimme in deinem Kopf von Ethan Kross

18. Juni 2022 0 Von Petrissa

Wie wir unseren inneren Kritiker in einen inneren Coach verwandeln

Inhalt:

Wir alle kennen sie, die innere Stimme. Wir gehen im Geist Gespräche durch, die wir führen müssen oder geführt haben. Überlegen uns, wie wir es gut machen können oder wie wir es hätten besser bewältigen können. So reflektieren wir Situationen und können kreativ nach Lösungen suchen. Aber nur, wenn wir das Ganze konstruktiv nutzen.

Besteht das Geschnatter in unserem Kopf aber aus negativen Gedanken und Emotionen, kann sich das Ganze zu einem Fluch wenden, welcher uns sogar krank macht. Es beeinträchtigt dann unsere Leistungsfähigkeit, wir können keine rationalen Entscheidungen mehr treffen, kurz, es wirkt sich auf alle Lebensbereiche aus.

Dies bezeichnet Ethan Kross als „Chatter“ (deutsch: Geratter).

 

In „Chatter – Die Stimme in deinem Kopf“ erläutert der Psychologe und Neurowissenschaftler Ethan Kross, warum das so ist und wieso diese innere Stimme absolut notwendig ist. Er zeigt auf, was passieren würde, wenn wir sie durch eine Krankheit verlieren würden, aber auch, wie alles den Bach runtergeht, wenn dieses negative Geplapper nicht aufhört.

In der zweiten Hälfte erfahren wir Leser:innen dann, welche Möglichkeiten es gibt, sich die innere Stimme zum Nutzen zu machen. Wie wir das Negative in etwas Positives verändern können.

 

Zum Schluss gibt es eine Zusammenfassung.

Meine Meinung:

Besonders gut gefallen hat mir die Erklärung von Ethan Kross, warum wir diese innere Stimme besitzen und wofür sie nützlich ist.

Die innere Stimme ist eng verbunden mit dem Arbeitsspeicher unseres Gehirns. Das wiederum ist für die Verarbeitung sprachlicher Informationen zuständig, der sogenannten „phonologischer Schleife“. Es ermöglicht uns, Informationen im Kopf zu wiederholen (Einkaufsliste, Telefonnummer…), bis wir sie nicht mehr brauchen. Dabei erläutert er weiter, wie sehr unser Selbst von dieser inneren Stimme abhängig ist.

Vielleicht kennt Ihr es, dass Ihr Euch schon mal selber blockiert habt, weil Ihr nicht aus dem Grübel herausgekommen seid? Man kann sich damit selbst Beziehungen kaputt machen, weil man z.B. so sehr mit der inneren Stimme beschäftigt ist, dass man seinem*r Partner:in nicht zuhören kann.

„Je mehr ich mich aufrege, was jemand mir angetan hat, um so mehr Nahrung gebe ich diesen negativen Gefühlen, und umso wahrscheinlicher wird es, dass ich demjenigen, dem ich die Schmach zu verdanken habe, aggressiv gegenübertrete.“

Sehr interessant fand ich auch das Kapitel über die Sozialen Medien. Sie bedienen unseren inneren Chatter. Sehr einleuchtend erklärt er, warum sich Menschen im Internet so verhalten, wie sie es tun.

 

Sei Lösungsansatz besteht in der psychologische Distanzierung. Dazu gibt er dem Leser einige Tools an die Hand.

Laut Kross ist es hilfreich, sich in der zweiten Person und mit Vornamen anzusprechen, wenn man ein negatives Erlebnis verarbeiten möchte.

„Dadurch erzeugen Sie weniger Aktivitäten in denjenigen Regionen des Gehirns, in denen Grübeleien ihren Anfang nehmen, gleichzeitig steigert es auch in Stresssituationen Ihre Leistungsfähigkeit, ermöglicht ein abgeklärtes Urteilsvermögen und wirkt negativen Emotionen entgegen.“

Das ist erstmal befremdlich, aber ich muss sagen, mir hilft es. Man redet automatisch freundlicher mit sich.

Insgesamt zeigt er 12 Möglichkeiten auf, wie wir die negative Schleife im Kopf stoppen können. Ebenso Tipps, wie andere uns helfen können und wie wir anderen helfen können.

 

Alles untermauert er mit diversen Studien.

Kritik:

Was ich nicht mochte, war diese typisch amerikanische Art, Sachbücher zu schreiben. Dieses eine Geschichte über eine Geschichte über eine Geschichte zu erzählen. Also wenn er zum Beispiel mehrere Seiten lang darüber berichtet, wie eine Studentin ihn was gefragt hat, dass ihn dann zum Nachdenken brachte und als seine Tochter mehrere Wochen später vom Kindergarten heim kam und ein Erlebnis schilderte (von dem er uns natürlich berichtet), fiel ihm die Frage der Studentin wieder ein usw. usf..

Generell empfinde ich das Buch schon als wissenschaftlich und nicht populärwissenschaftlich, daher war ich sehr irritiert über diese Erzählweise. Vielleicht soll es das Ganze auflockern. Ich denke dabei allerdings immer: Jetzt kommt mal zum Punkt.

Fazit:

Ein sehr interessantes Buch über unseren inneren Chatter.

Warum ist er notwendig, wann schadet er uns und wie können wir das positiv beeinflussen?

Dabei gibt Kross uns jede Menge Techniken an die Hand. Ich behaupte, die Welt wäre ein kleines bisschen besser, wenn jeder diese Techniken beherrschen würde.

 

 

4 ♥ ♥ ♥ ♥

Ich danke dem Verlag herzlich für dieses Rezensionsexemplar.

CHATTER – Die Stimme in deinem Kopf

Wie wir unseren inneren Kritiker in einen inneren Coach verwandeln

Autor: Ethan Kross

Übersetzer: Leon Mengden

Verlag: ‎ btb Verlag (Februar.’22)

ISBN: ‎ 978-3442758098

Seiten: 304

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