Rezension: Die Wand

Rezension: Die Wand

20. August 2017 11 Von Petrissa

Inhalt:

Eine namenlose Frau fährt mit ihrer Cousine und dessen Mann für ein paar Tage auf eine Jagdhütte. Die Cousine und der Mann gehen am Abend noch ins Dorf und kommen nicht wieder zurück. 

Am nächsten Morgen will die Frau ins Dorf gehen, um nachzuschauen ob etwas passiert ist und stößt dabei auf eine unsichtbare Mauer. Dahinter scheint jedes Leben tot zu sein.

Sie wartet auf Hilfe, doch als keine kommt, versucht sie sich das Leben in der Abgeschiedenheit und mit nur einfachen Mitteln mit ihren Tieren einzurichten. Mit dem Jagdhund Luchs, einer Katze und einer Kuh. 

“Im Bett fröstelnd, überlegte ich, was zu tun wäre. Ich konnte mich umbringen oder versuchen, mich unter der Wand durch zugraben, was wahrscheinlich nur eine mühevollere Art des Selbstmords gewesen wäre. Und natürlich konnte ich hier bleiben und versuchen, am Leben zu bleiben. 

Um ernstliche an Selbstmord zu denken, war ich nicht mehr jung genug. Hauptsächlich hielt mich auch der Gedanke an Luchs und Bella davon ab und außerdem eine gewisse Neugierde. Die Wand war ein Rätsel, und ich hätte es nie fertiggebracht, mich angesichts eines ungelösten Rätsels davonzumachen.”

All das, was sie bisher in der Welt gelernt hat, taugt nichts mehr. Sie muss nun lernen, gegen ihren Willen Tiere zu schießen, Heu für die Kuh zu mähen und Brennholz zu spalten. Sie muss sich für den Winter vorbereiten. Dabei kommt sie immer wieder an ihre körperlichen Grenzen und muss manches Mal auch darüber hinaus gehen. Den die Kuh will gemolken, die Tiere gefüttert, das Heu eingeholt werden.

Sie muss auch lernen, mit sich alleine, ihren Gedanken und Ängsten zu recht zu kommen. Luchs ist ihr dabei eine große Hilfe. Er spürt ihre Stimmungen sofort und ein um das andere Mal hält er sie an, aus dem Bett zu kommen und mit ihm in den Wald zu gehen. 

Die Frau schreibt die Geschichte rückblickend auf die letzten zwei Jahre auf. Dabei wechselt sie manchmal zur Gegenwart, was für den Leser die Zukunft ist.

Meine Meinung:

Was für ein wunderbares Buch! Es hat mich sehr berührt! 

Ich habe das Buch lange vor mir hergeschoben. Hatte Sorge, dass es mir zu langweilig oder gar zu depressiv werden würde. Doch beides war nicht der Fall. 

 

Marlene Haushofer hat mich mit ihrer einfachen Sprache in einer Intensität erreicht, wie es nur wenige Bücher zu tun vermögen. 

Es passiert gar nicht viel in dem Buch, aber emotional weit mehr, als in mancher Abenteuergeschichte. Auch wenn ich das Buch manchmal 2 Tage zur Seite legte, sah ich die Bilder der Jagdhütte nur zu deutlich vor mir. 

 

Die Stimmung im Buch ist natürlich bedrückend, aber ich selbst fand sie nie erdrückend. 

Die Beschreibung der Tiere ist so herzlich, so dass Luchs für mich zum liebsten Tier-Nebendarsteller wurde.

 

Das Buch kann man auf vielerlei Arten interpretieren. Nicht nur auf die Wand, sondern auch auf Wichtigkeiten in einem Leben. Auf das Leben überhaupt. 

Aber ich will gar nicht die verschiedenen Interpretationen aufzählen. Denn das kostbare an diesem Buch war für mich auch, die stille Zwiesprache mit sich selbst, inspiriert von dem Psychogramm dieses Buches. 

 

Für mich steht es zur Zeit auf Top 2 meiner Jahresliste. 

5 ♥ ♥ ♥ ♥ ♥  und ein  Stern zur besonderen Auszeichnung.

Loading Likes...