Rezension: Maschinen wie ich |Ian McEwan

Rezension: Maschinen wie ich |Ian McEwan

9. Juli 2019 12 Von Petrissa

Mir fiel es schon lange nicht mehr so schwer, ein Buch zu rezensieren wie bei diesem. Sprachlich herausragend, emotional hat es mich die ganze Bandbreite fühlen lassen und wirklich verstanden habe ich es erst, als ich mich mit Connie darüber unterhalten habe.

Inhalt zu "Maschinen wie ich"

Charlie ist einer der ersten Besitzer eines Androiden, die auf dem Markt kamen. Gleich zu Anfang konnte, musste er Adams Persönlichkeit wählen, einstellen, die danach nicht mehr zu ändern war.

Adam ist von außen nicht von einem Menschen zu unterscheiden. Und von innen? Wie tickt eine KI (Künstliche Intelligenz) ? Kann sie fühlen und sich verlieben?

Daneben gibt es noch Miranda, in die Charlie sehr verliebt ist. Miranda trägt ein dunkles Geheimnis in sich, das das Leben aller drei Personen sehr beeinflusst.

Was man wissen muss

Die Geschichte spielt 1982. Wie soll das logisch sein? Das hat mich wirklich aufgeregt, bis zu meinem Gespräch mit Connie.

Das Buch ist nämlich auch eine Geschichte um Alan Turing herum. Turing war einer der einflussreichsten Logiker und Informatiker des letzten Jahrhunderts. „Turing schuf einen großen Teil der theoretischen Grundlagen für die moderne Informations- und Computertechnologie.“ (Wikipedia)

Im Krieg war er maßgeblich an der Entschlüsselung der deutschen Funksprüche beteiligt und 1953 entwickelte er das erste Schachprogramm.

1952 wurde er auf Grund seiner Homosexualität zu chemischen Kastration verurteilt. Infolgedessen bekam er eine schwere Depression und nahm sich 2 Jahre später das Leben.

„Der Turing Award wird jährlich von der Association for Computing Machinery an Personen verliehen, die bedeutende Beiträge zur Informatik geleistet haben. Er wird weithin als „Nobelpreis“ der Informatik angesehen.„ (Wikipedia)

 

McEwan geht der Illusion nach, was hätte sein können, wenn Turing nicht gestorben wäre. Dann hätte es schon längst KIs geben können.

Pro und Contra

Ich finde es schon sehr schade, dass es zu Turing und den Hintergründen keinen Hinweis gab.

 

Was mich ebenfalls genervt hat, waren die (teils) fiktiven politischen Aspekte, die McEwan in die Geschichte reinbringt. So zieht Groß-Britannien in den Krieg gegen die Falklandinsel und letztere gewinnen den Krieg.

Charlie schwadroniert sehr viel über die Politik. Ich lese ja gerne politische Themen, aber hier hat es mich wirklich gestört, weil ich einfach so viel mehr über Adam wissen wollte. Ich hatte mich unheimlich auf eine Geschichte über eine KI gefreut, aber meines Empfinden nach, hat Adam nur eine Nebenrolle gespielt.

 

Auch die Liebesgeschichte zwischen Charlie und Miranda fand ich anstrengend. Miranda konnte ich nicht leiden und Charlie ging mir auf die Nerven, weil er sein Handeln immer nach dem abstimmte, was Miranda gefallen könnte.

Adam

Adam dagegen fand ich großartig. Er war der bessere Mensch. Darüber nachzudenken hat mir viel Spaß gemacht.

Doch genau das war es auch, was die KIs in Bedrängnis brachte. Sie sind auf Gerechtigkeit programmiert und müssen täglich mit unseren kleinen und größeren Lügen und Ungerechtigkeiten leben.

Daraus entsteht untere anderem die Frage, welche Rechte wir einem KI einräumen müssen? Wie können sie sich vor uns schützen? Wie können wir sie vor uns schützen?

„Wir erschaffen Maschinen mit Intelligenz und Bewusstsein und stoßen sie hinaus in unsere unvollkommene Welt. Sie sind nach rein rationalen Grundsätzen geschaffen, anderen Menschen gegenüber positiv eingestellt, und nun wird ihr Verstand von einem Hurrikan von Widersprüchen erfasst.

Wir selbst haben damit zu leben gelernt, und die Liste ödet uns an: Millionen sterben an Krankheiten, die wir heilen können. Millionen leben in Armut, obwohl es genug für alle gibt. Wir zerstören unsere Biosphäre, obwohl wir wissen, dass sie unsere einzige Heimat ist. Wir bedrohen uns gegenseitig mit Atomwaffen, auch wenn wir wissen, wohin das führen kann. Wir lieben Lebendiges, lassen aber massenhaftes Artensterben zu. Und dann der ganze Rest – Genozid, Folter, Versklavung, häusliche Gewalt bis hin zum Mord, Kindesmissbrauch, Schießereien in Schulen, Vergewaltigungen, tagtäglich eine schier endlose Zahl skandalöser Greueltaten.

Wir leben mit all diesen Grausamkeiten und sind nicht mal erstaunt, wenn wir trotzdem unser Glück, sogar die Liebe finden. Künstliche Intelligenzen sind da weniger gut geschützt.“

Der Sprachstil in "Die Maschinen und ich"

Der Sprachstil ist wundervoll! Bevor man diese Art der Literatur gelesen hat, weiß man nicht, was Herz und Geist vermisst haben.

Fazit:

Ein Buch, das einem viel zu denken gibt. Zu denken, über das launische und gewalttätige Wesen des Menschen, über eine wahre Gerechtigkeit, über Auswirkungen von Entscheidungen, die wir treffen und unsere Handeln. Dazu der wunderbare Sprachstil.


Dennoch wiegt das meine Kritikpunkte leider nicht auf. Ich konnte Charlie und Miranda einfach nicht leiden und habe mich so oft über sie geärgert. Statt dessen hätte ich mir so sehr eine zentralere Rolle von Adam gewünscht.

Was Adam am Ende unternimmt, fand ich richtig gut!


3,5 ♥ ♥ ♥


Maschinen wie ich

Autor: Ian McEwan

Verlag: Diogenes (22. Mai. ’19)

ISBN-10: 3257070683

Seiten: 416

Weitere Rezensionen:

 

5* Schreibblog

4* umgebucht

 

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