[Rezension] Was tun – Demokratie versteht sich nicht von selbst

[Rezension] Was tun – Demokratie versteht sich nicht von selbst

15. September 2017 6 Von Petrissa

Inhalt:

10 Texte der Autorinnen über Demokratie. 

Was hat die Politik und den Staat so geschwächt, dass die Bürger heute beiden nichts mehr zutrauen?

Warum ist die Demokratie so genial? Und warum so gefährdet? 

Wie geht man mit Demokratieverächtern um? 

Was, wenn Fakten nicht mehr zählen? 

Nie war es so leicht wie heute, sich so gut und breit zu informieren! 

Wie kann man sich einmischen? 

Christiane Grefe macht die neoliberale Wirtschaft mit verantwortlich für die Gefährdung der Demokratie. Denn da, wo Arm und Reich immer weiter auseinander fällt, wo Wut und Frust herrscht, nutzen AfD, Front National oder Trumps Republikaner die Gunst der Stunde.

Doch “der populistische Standardsatz “die da oben tun sowieso, was sie wollen” ist falsch. Dass sich der Marktradikalismus durchgesetzt hat, war eben kein Naturgesetz. 

 

Politiker haben ihre Entmachtung selbst beschlossen. Das geschah auf Druck großer Konzerne. Wenn Bürger Gegendruck machen, wenn sie sich zivilgesellschaftlichen Gruppen und in Parteien zu Hause und über Grenzen hinweg wieder intensiver einmischen(und dafür streiten, dass das auch in anderen Ländern möglich bleibt), dann werden Regierungen das Gemeinwohl wieder stärker.”

 

Gabriele von Armin schreibt eine wunderbare Liebeserklärung an die Demokratie. 

Wir haben hier einen Rechtsstaat, dem wir nicht willkürlich ausgeliefert sind. Wir haben Meinungsfreiheit.  

Meine Meinung:

Ein gutes Buch, welches erklärt, zum Nachdenken anregt, Mut macht. 

 

Auch wenn ich nicht in allem 100% übereinstimme. (Ich mag es nicht, wenn Verallgemeinert wird. “Gerade die Deutschen haben sich an das Wort “alternativlos” gewöhnt.” Elke Schmitter – Die Utopie ist schon da). Ich habe mich nicht an das Wort gewöhnt, es taucht nicht mal in meinem Wortschatz auf und da kenne ich noch eine Menge andere Leute. 

 

Sehr berührt hat mich die Liebeserklärung an die Demokratie von Gabriele von Armin. 

Immer wieder erzählen mir Menschen von dem Glück, in diesem Land und in diesem System, sicher und frei sein zu dürfen. Grund genug, könnte man denken, in einer Demokratie leben zu wollen – trotz augenfälliger Ungerechtigkeit, die es natürlich auch gibt, trotz Machtmissbrauch oder diskriminierender Ausgrenzung, trotz der immer wieder verletzenden Wirklichkeit selbst im demokratischen Alltag.

Denn: Man kann wählen. Man kann sich wehren. Man kann sein Recht einklagen – auch gegen den Staat. Man hat das Privileg, seine Freiheit zu leben – die Grenze ist allein die Freiheit der  anderen.

Sehr spannend auch der Artikel von Evelyn Roll “Die Erde ist eine Scheibe”. 

Seit Trump ist es vorbei, dass “eine Lüge eine Lüge ist.” 

Es geht bei der alternativen Wahrheit nicht wirklich darum, eine Lüge zur Wahrheit zu machen. Sondern Verwirrung und Misstrauen zu stiften. Wenn so der Konsens immer kleiner wird, “dann halten sich kleinste Gruppe für die Mehrheit […] und brüllen: “Wir sind die Bewegung” oder sogar: “Wir sind das Volk!”“

Jeder hat das Recht auf eine eigene Meinung, aber niemand hat das Recht auf eigene Fakten“. (Evelyn Roll)

Fazit:

Eine absolute Leseempfehlung! 

Denn wir müssen etwas für unsere Demokratie tun, auch wenn es bequemer ist, auf dem Sofa zu liegen und andere machen zu lassen. 

Unsere Demokratie ist noch jung, auch wenn unsere heutigen Generationen nichts anderes kennen. Es liegt an uns, was uns die Zukunft bringt. 

 

4,5 ♥

Was tun – Demokratie versteht sich nicht von selbst

Autoren: 

Gabriele von Arnim, Christiane Grefe, Susanne Mayer,

Evelyn Roll, Elke Schmitter 

Verlag: Kunstmann

ISBN: 3956142101

Seiten: 112

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