Rezension: Weil sie das Leben liebten |Charlotte Roth

Rezension: Weil sie das Leben liebten |Charlotte Roth

15. Juni 2019 7 Von Petrissa

Weil sie das Leben liebten…

Inhalt

… die jungen Leute 1933. Der Titel trifft es so durch und durch!


Franka, deren Zufluchtsort schon als Kind der Berliner Zoo war, will Zoologie studieren, muss das Studium aber abbrechen, als durch die Wirtschaftskrise Ende 1920 kein Geld mehr für ihr Studium da war. Doch wenigstens hat sie als Tierpflegerin Arbeit bekommen.

Der Zoo ist ihre Heimat, die Menschen dort ihre Familie, auch wenn ihre Liebe in erster Linie den Tieren gilt. Sich den Menschen zu öffnen, fällt ihr schwer.


Bis sie Adam kennen lernt. Adam ist Sinto und hat durch die Nazis viel Leid erfahren. Dennoch liebt er das Leben und das bringt er Franka bei.


Dies hätte eine wunderbare Liebesgeschichte werden können, wenn die beiden nicht Mitten im Krieg gewesen wären, wo man auf Sintos und alle die anders waren Jagd gemacht hätte.

Meine Meinung:

Der Anfang fiel mir schwer. Ich konnte Franka nicht leiden. Doch es war toll, wie sich das im Laufe des Buches verändert hat.

Das Buch ist herausragend recherchiert. Wie z.B. die Nazis den Tierschutz verstärkt haben und gleichzeitig Konzentrationslager bauten.

 

In dem Buch ist auch nichts nur schwarz oder weiß. Viele der Figuren sind nicht nur gut oder böse. Viele versuchen einfach selbst nur zu überleben.

Ich mochte es sehr und fand es beeindruckend, wie viele Figuren in dem Buch vorkamen und wie intensiv man sie alle kennen lernt. Auch die Nebenfiguren waren mir sehr nah und um manche könnte ich weinen.

 

Es fällt mir schwer zu rezensieren ohne zu spoilern. Denn meine Gefühle schwappen immer noch über, wenn ich an das Buch und die Figuren denke.

Die Ausmaße der Gräueltaten werden so deutlich bewusst. Vor allem auch – und das ist das Schreckliche – wie viel davon entsteht, weil die Menschen nicht nachdenken. Weil sie das nachplappern, was ihnen jemand vor schwatzt.

Warum darf ich nicht Zigeuner sagen?


Wer immer noch nicht weiß, warum man nicht mehr Zigeuner sagen sollte, sollte dringend dieses Buch lesen!

Hier wird sehr deutlich, wie die Sinti und Romas zur Unterrasse degradiert wurde. Sie stinken, sie klauen und die Frauen verdrehen den Männern den Kopf, dass sie gegen ihren Willen der Zigeunerfrau verfallen.

Sie wurden vermessen, zu medizinischen Versuchen missbraucht und in Lager zusammen gepfercht.


Wer immer noch der Meinung ist, „Zigeuner“ sei ein wertneutrales Wort, der missachtet den historischen Kontext und ignoriert, dass dieses Wort auch heute noch als Schimpfwort benutzt wird.


Mich hat es sehr geschmerzt, wie die Menschen über die Sintis dachten. Zu glauben, die Intelligenz und der Charakter hänge von der Hautfarbe und der „Rasse“ ab, ist so irrsinnig wie widerwärtig.


Tokeli/Adam hat Jura studiert, bis es ihm von den Nazis verboten wurde. Tokeli ist eine Figur, die man einfach lieben muss. Eine Figur, bei der man sich wünscht, es wäre eine reale Person, einfach um mal mit ihm Kaffee trinken gehen zu können.

WEIL SIE DAS LEBEN LIEBTEN! Weil sie leben wollten! Das Leben genießen wollten! Weil sie lieben und geliebt werden wollten!  – Aber sie lebten in der schlimmsten Zeit unserer Geschichte. 

Fazit:

Tief berührend, traurig und schockierend zeigt das Buch weit mehr als Einblicke in das Leben junger Menschen, die zur falschen Zeit geboren wurden. Die in einen Krieg gegen die Menschheit hineingezogen wurden, den sie gar nicht führen wollten.

 

Ein absoluter Lesetipp! Ich wünsche dem Buch wirklich viele, viele Leser*innen!

 

5 ♥ ♥ ♥ ♥ ♥

 

 

Weil sie das Leben liebten

Autorin: Charlotte Roth

Verlag: Knaur TB (Juni.’16)

ISBN-10: 3426517299

Seiten: 512



 

Weitere Rezensionen:

 

5* Monerls bunte Welt

 

4* Buchstabenmagie

 

2,5 * Buchmomente

 

 

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